Dreamlike Mozart with Manno and Hermus as closure of »Herbsttage für Musik«

 

Starkes Gespann bot Spitzenklasse

Traumhafter Mozart mit Manno und Hermus zum Abschluss der Herbsttage für Musik

Bei Mozarts berühmten Klarinetten-Konzert traten der Dirigent Antony Hermus und der Klarinetten-Virtuose Ralph Manno zum erten Mal gemeinsam in Aktion, begleitet von einem Schülerorchester.

Zwei derartige Energiebündel, die nicht nur die übrigen Musiker auf der Bühne, sondern ganze Säle spielend mitreißen können, so eng nebeneinander – das muss ja nicht unbedingt harmonisch ablaufen. Ob sie sich auch hinter den Kulissen gut verstanden haben, weiß man nicht. Aber das, was sie auf der Bühne machten, war mehr als harmonisch. Bei Mozarts berühmten Klarinetten-Konzert traten der Dirigent Antony Hermus und der Klarinetten-Virtuose Ralph Manno zum erten Mal gemeinsam in Aktion, und man hatte schon das Gefühl, dass die beiden auf der selben Welle schwingen. So einfühlsam phrasiert und in jedem Detail und jedem Ton genüsslich ausgekostet bekommt man den Mozart nur selten zu hören. Man muss sich ohnehin immer wieder bewusst machen, was bei den Herbsttagen für Musik auf Betreiben der Musikschule und finanziert von deren Freundeskreis eigentlich passiert. Denn die Bochumer Symphoniker mit Antony Hermus am Pult und einem Ausnahme-Solisten wie Ralph Manno an der Klarinette – das ist echte Spitzenklasse und absolut keine Selbstverständlichkeit, sondern vielmehr ein immer wieder außergewöhnlicher Glücksfall für Iserlohn. Ebensowenig ist es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Schülerorchester mit diesen Spitzenkräften musizieren darf. Die Streicher der Musikschule, die Ralph Manno bei Astor Piazzollas »Ballada para un loco« begleiten durften, machten ihre Aufgabe hervorragend und präsentierten sich unter dem energischen Dirigat von Antony Hermus, der die jungen Musiker präzise und klar lenkte, klanglich rund und reif. Ihnen wurde ebenso tosender Applaus zuteil wie den Bochumer Symphonikern, die neben den Solo-Werken für Klarinette zwei Teile aus Bedrich Smetanas »Mein Vaterland« zu Gehör brachten. Der Löwenanteil der Begeisterung fokussierte sich aber auf Ralph Manno, der nach Mozart und Piazzolla zum Schluss auch noch die erste Rhapsodie von Debussy spielte und auch hier mit seinem vitalen, energiegeladenen und in jeder Hinsicht extremen und aufs Ganze gehenden Spiel eine interpretatorische Meisterleistung bot. Natürlich beließ es Manno seinem Naturell entsprechend nicht bei seiner Solo-Partie. Vielmehr suchte er den Kontakt sowohl zum Publikum als auch zu den Orchestermusikern: Mehrmals drehte er sich in seinen Pausen um, um zu motivieren. Ins Gehege mit dem eigentlichen Antreiber Hermus kam er sich aber nicht. Im Gegenteil: Beide zogen kongenial an einem Strang und machten das Mozart-Konzert als auch die Debussy-Rhapsodie zu traumhaften Momenten. Auch dass er nach dem minutenlangen, tosenden Applaus und den Bravo-Rufen des Publikums im vollbesetzten Parktheater, das sich am Ende komplett von seinen Sitzen erhoben hatte, noch eine solistische Zugabe gab, war keine Selbstverständlichkeit. Wie er im Vorfeld gegenüber unserer Zeitung erklärte, war es das erste Mal, dass er in einem klassischen Symphoniekonzert bei gleich drei Werken das Orchester übertönen musste, was für einen Klarinettisten eine ungeheure und ungewohnte Anstrengung sein muss. »Ich weiß gar nicht, ob ich da noch eine Zugabe blasen kann«, berfürchtete er. Das Iserlohner Publikum hatte aber Glück und durfte Manno auch ein viertes Mal hören.

Iserlohn, Ralf Tiemann, 21. 09. 2008

 

 

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