Symphony Concert Philharmonic Orchestra Hagen

»Mendelssohn | Elgar | Brahms«

 

Ein »liebliches Ungeheuer«, so hat Johannes Brahms seine zweite Sinfonie bezeichnet, die in der Musikwelt als das heitere, pastorale Kleinod im Schaffen des Meisters gilt. Antony Hermus sieht das anders. Der junge Generalmusikdirektor der Hagener Philharmoniker deutete die »Zweite« jetzt – auswendig dirigierend – mit seinem Orchester als geradezu ruppiges Kraftwerk, als musikalischen Energie-Generator. Die Besucher des Sinfoniekonzerts in der Hagener Stadthalle bejubelten das wilde Temperament, das Hermus aus der Partitur freisetzte. Hermus hat schon vielfach seine Begabung dafür bewiesen, die langsamen Sätze zum Angelpunkt seiner Interpretation aufzuwerten. Auch bei Brahms stellt er im Adagio aufgewühlte Leidenschaft heraus, ein subjektives Bekenntnis, das mit einem schon beinahe drohenden Auftakt in den tiefen Streichern beginnt und aus den lyrischen Einwürfen der Holzbläser enorme Intensität entwickelt. Den Eingangssatz begreift Hermus dagegen aus einem stampfenden, tänzerischen Impuls, er schichtet die gewaltigen Orchester-Akkorde, als würde er riesenhafte Orgelregister ziehen. Im dritten Satz mit seinen wunderschön geblasenen Holzbläserpartien und den bewegten Streichereinsätzen lotet der Dirigent eher geisterhafte Abgründe aus als ländlichen Frohsinn, und das Finale explodiert rasend schnell in glänzenden Trompeten- und Hörner-Ekstasen. Hermus präsentiert einen sehr unangepassten, fast schon wütenden Brahms …

Westfalenpost, 27. 09. 2006

 

 

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