Premiere of Mozart’s »Le Nozze di Figaro« in Hagen

 

»Se vuol ballare … «

Die Noten von Figaros Leitmotiv umrahmen – einem Guckkasten gleich – ein treffend gestaltetes Bühnenbild: Erst Figaros Zimmer schlicht, aber effektvoll wie die symbolträchtig rote Tür zum Zimmer des Grafen, später wesentlich aufwendiger. So z. B. das Zimmer der Gräfin – ein üppiges Bad mit riesigem Gemälde, das mit Überraschungstürchen aufwartet – oder auch der Garten prächtig mit Skulpturen und Gittern bestückt.

Bühnenbild und Kostüme sind – gerne auch etwas überzogen – standesgemäß den Rollen angepasst: Figaro extrem schlicht, das Grafenehepaar nobel, aber zurückhaltend und Marcellina nebst Bartolo üppig, in den schillerndsten Farben.

Schillernd war auch die Bandbreite der Stimme »Marcellinas«: Keck und etwas derb, harmonierend mit der ironischen Darstellung ihrer Rolle. Marilyn Bennett war mit die passendste Besetzung des Abends. Neben ihr können aber auch die anderen Sänger mit herausragenden gesanglichen Leistungen bestehen, so z. B. Frank Dolphin Wong alias Almaviva mit seiner leidenschaftlich gesungenen Arie im 3. Akt. Panajotis Iconomou in der Rolle des Figaro hatte leichte Startschwierigkeiten. Seine Bewegungen wirkten leicht hölzern, doch er steigerte sich mit jedem Akt und konnte zum Schluss als Publikumsheld glänzen. Seine pfiffige Verlobte Susanna – gespielt von Tanja Schun – hat nicht nur inhaltlich die Regie in der Hand. Mit Witz und Würde bestimmt sie die Aufführung, was ihr dank traumhafter Stimme und einer Leichtigkeit im Spiel bestens gelingt.

Einen mutigen bzw. sehr erotischen Auftritt hat Dagmar Hesse als Gräfin, lasziv in der Badewanne liegend, fast unbekleidet. Doch für Dagmar Hesse ist das kein Problem: Souverän spielt sie die entsagungsvolle Dulderin, die über den Dingen steht, mit einer zauberhaften Innigkeit bietet sie uns ihre zwei Soloauftritte dar. Besonders erwähnenswert ist zum Schluss die von Carola Günther überzeugende Darstellung des pubertierenden Pagen Cherubino, zuerst von erotischem Verlangen getrieben und verwirrt, später gereift zu einem Kavalier mit höfischem Benehmen.

Gleich zu Beginn fesselt uns das Philharmonische Orchester Hagen unter der Leitung von Antony Hermus mit der schwungvoll gespielten Ouvertüre, die durch besondere dynamische Effekte auffällt. Meisterhaft ist auch die weitere musikalische Untermalung des Stückes und bis auf wenige Unstimmigkeiten in den Bläsern kann man von einer perfekten Einstudierung sprechen.

Die lustigen Überraschungen, witzigen Details und viele kleine »Tänzchen« sorgten im nicht ganz ausverkauften Haus immer wieder für Gelächter. Zwischendurch belohnte das Publikum die SängerInnen mit Bravo-Rufen und zeigte zum Schluss seine Begeisterung in einem langanhaltendem, enthusiastischem Applaus, gespickt mit viel Bravo und wenigen stehenden Ovationen.

Online Musik Magazin

 

 

Generalmusikdirektor Antony Hermus dirigiert […] mit Leidenschaft und Sensibilität – ohne Taktstock. Auf diese Weise kann Hermus mit den Händen ganz präzise und weiche, durchscheinende Klänge modellieren, kein Zwischenton geht verloren, die Musiker begeistern mit fein abgestufter Dynamik und zauberhaften Interpretationsdetails. Wie Mozart es beabsichtigt hat, kommt der Treibstoff für Liebesleid und heißes Sehnen, für Verzweiflung und Eifersucht in Hagen wirklich aus dem Orchestergraben.

Westfalenpost, 18. 10. 2004

 

 

Das junge Ensemble singt herausragend in gemeinsamem, wunderbarem Musizieren mit dem Orchester. […] Von den turbulenten Finali bis zur innigen Rosenarie. Generalmusikdirektor Antony Hermus spürt den Charme der sprühenden Komödie, die Leidenschaften und die lebendige Kraft auf. […] Orchester und Gesangssolisten werden stürmisch gefeiert.

Westfälische Rundschau, 18. 10. 2004

 

 

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