»Multi-Kulti«-Session mit dem Orchester
Gassenhauer und Gegrilltes
Es roch nach Grillgerichten aus der Küche. Laufende Gespräche untermalten die Live-Musik, und Geschirr klapperte etwas außer Takt. Schon beim Eintreten ins australische Restaurant »Coober Pedy« spürte man die fröhliche Ausgelassenheit.
Zusammen mit der rustikalen Einrichtung und einer witzigen Idee wurde vom Philharmonischen Orchester ein perfekter Freitagabend gezimmert: Die Musik-Session »Multi-Kulti« sollte ihrem Namen alle Ehre machen.
Leichte Ungewissheit führt zu guter Stimmung
»Wir haben keine Ahnung, was uns heute Abend erwartet«, meinte Generalmusikdirektor Antony Hermus. Es hörte sich fast wie ein Versprechen an. Doch gerade diese leichte Ungewissheit ließ die gute Stimmung der Gäste im Saal nie verebben.
Nacheinander betraten die unterschiedlichsten Künstler spontan die kleine Bühne im hinteren Teil des Lokals. Alphörner, Dudelsäcke und Saiteninstrumente wurden mitgebracht und enthusiastisch vorgeführt, während das Publikum auf den Plätzen und an der Theke mitging. Das besondere an der Session war – abgesehen von der Vielfalt an internationaler Musik –, dass professionelle und Freizeit-Künstler gemeinsam Spaß hatten. Und dieser an die Zuschauern übersprang.
»Ganz spontan, wie wir sind«
»Ganz spontan, wie wir sind«, stieg Theater-Solistin Edeltraud Kwiatkowski auf die Bühne. Die Gäste des Coober Pedy sangen Gassenhauer mit und begannen bei »Tulpen aus Amsterdam« sogar zu schunkeln. Doch auch ungarische Tänzer zeigten, was in ihnen und ihrer Heimat-Kultur steckte. Überwältigt von Schnelligkeit und Elan des Tanzpaares gab es Bravorufe vom Publikum. Wenig später schlugen die Basssaiten, während geschäftige Kellner umherliefen und versuchten, den zahlreichen Bestellungen von Sitz- und Stehplätzen nachzukommen. Hobby-Fotografen nahmen fleißig alles auf, was ihnen vor die Linse kam, und der Raum füllte sich weiter. Die Besucher gesellten sich zueinander und besetzten die letzten freien Plätze. Beflügelt durch die lockere Stimmung entstanden Gespräche und vielleicht auch die eine oder andere neue Bekanntschaft.
Das große Restaurant leerte sich auch spät am Abend nur sehr zögerlich. Im Gegenteil – Interessierte, die draußen auf dem Elbersgelände die Musik hörten, kamen noch dazu um den lauen Abend bei kühlen Getränken und Live-Musik ausklingen zu lassen. Ein paar der fröhlichen Gäste tanzten in den Gängen zur energiegeladenen Geigenmusik, bevor die Multi-Kulti-Session dem Ende zuging. Multikulturell, spontan und vielseitig. Die Menschen im »Coober Pedy« lebten diese Begriffe aus. Es war ein Abend ungezwungener Kultur – und ist absolut wiederholungsbedürftig.
Westfalenpost, 18. 05. 2008
Musiksession
Zigeunerlieder in der australischen Kneipe
Alphörner in einer australischen Bar – eine ungewöhnliche Konstellation. »So etwas hat es in Hagen noch nicht gegeben und wird es so schnell auch nicht mehr geben«, sagt Antony Hermus.
Der Generalmusikdirektor und sein Philharmonisches Orchester stecken hinter der schrägen Idee, mit der sie den Gedanken weiterführen, der die Jubiläumsspielzeit prägt: unterschiedliche Musikstile miteinander zu verbinden und so Brücken zwischen den jeweiligen Zuhörern zu schlagen, kurz: Cross-Over.
Genau darum geht es den Philharmonikern bei ihrem nächsten Termin: Für Freitag, 16. Mai, laden sie ins australische Restaurant »Coober Pedy« auf dem Elbers-Gelände zu einer Musik-Session unter dem Motto „Multi-Kulti” ein. Beginn ist um 21 Uhr, der Eintritt ist frei. »Es soll ein spontaner Musikabend werden, an dem sich jeder beteiligen kann«, erklärt Antje Haury aus dem Orchestervorstand. Wer singt, ein Instrument spielt oder gleich mit seiner gesamten Musikgruppe anrücken möchte, ist willkommen. Einzig: »Einer Reggaeband mussten wir leider absagen. Die hätte den Rahmen gesprengt«, so Haury.
Bislang angemeldet sind für den Sessionabend beispielsweise die Klezmer-Band Mazellov, mehrere Percussionisten, der Dudelsackspieler Robin und natürlich die Alphornbläser. Vier sind es an der Zahl, einer von ihnen ist Orchestermitglied Edgar Wehrle.
Auch wenn die Multi-Kulti-Session bewusst frei gehalten werden soll, ist doch ein Schwerpunkt zu erkennen, der in der Zigeunermusik liegt. Dafür sorgen Cellistin Melinda Riebau, die Zigeunerlieder spielt, Balletttänzer Josef Hajzer, der ungarische Volkstänze zeigt sowie der Sologeiger Roman Orachko mit seiner Kapelle. Dieser Fokus auf die Zigeunermusik kommt nicht von ungefähr: Das Orchester will mit dem Abend einstimmen auf das dritte und letzte Festkonzert der Jubiläumsspielzeit am nächsten Tag. Am Samstag, 17. Mai, 20 Uhr, spielt der ungarische Teufelsgeiger Roby Lakatos mit dem Philharmonischen Orchester in der Stadthalle Hagen. »Wir hoffen, dass Leute, die zur Session kommen, neugierig auf das Festkonzert werden«, sagt Hermus, der auch erzählt, dass die Idee zum Mitmach-Konzert spontan entstanden sei, in der beflügelten Stimmung nach dem Scratch-Konzert Ende April. »Viele aus dem Orchester waren danach im Coober Pedy und haben bei der Karaoke mitgesungen. Ein lustiger Abend«, so Hermus. Und ein inspirierender.
Martin Hartl, Inhaber der australischen Bar, war gleich angetan von der Session-Idee und stellt am Freitag gern seinen ausgedienten Pick-up zur Verfügung, der in der Kneipe als Bühne dient. Auf der wird übrigens auch Antony Hermus in Aktion treten – am Akkordeon.
Westfalenpost, 13. 05. 2008
Musik mal ganz woanders
Das Alphorn in Australien
»Multikulti« als Motto: Orchestermusiker aus vielen Ländern kommen am Freitag zu einer Session in den Elbershallen zusammen. Im Vorgriff auf das Festkonzert mit Teufelsgeiger Roby Lakatos schlagen sie zwischen Krokodil und Känguru neue Töne an.
So wird Generalmusikdirektor Antony Hermus in die Tasten seines Akkordeons greifen, Posaunist Edgar Wehrle und drei Musikerfreunde blasen in ihre Alphörner. Der Dudelsackspieler Robin, zwei Celli und Gesang sind dabei und der Gipsy-Geiger Roman Orachko. Melinda Riebau stimmt Zigeunerlieder an, und Josef Hajzer tanzt. Weitere Beiträge in dieser wilden Mischung sind willkommen (Anmeldungen 207-3271 oder 0170-4568673). Die Idee zu einem ungewöhnlichen Konzert an diesem ungewöhnlichen Ort entstand bei einem Karaoke-Abend im Australien-Pub, das nach einem Konzert in der Stadthalle plötzlich auch die Orchestermusiker für sich entdeckt hatten. Außerdem hat der Wirt, dessen Wiege am Chiemsee stand, ein Faible für Geigenmusik. Und die könnte zur Abwechslung ja auch mal in der alten Betriebsschlosserei der Tuchfabrik erklingen, fand Martin Hartl. Er war also sofort dabei, als die Musik-Session begann, eine temperamentvolle ungarische Form anzunehmen. Wie das Alphorn von Edgar Wehrle ins spontane Programm passt, wird sich zeigen – und hören lassen. In jedem Fall entlockt der Blechbläser in Orchesterdiensten dem langen Holzrohr interessante und authentische Töne. Er freut sich schon auf das Konzert …
Westfälische Rundschau, 13. 05. 2008