Jubilee Concert Hagen Philharmonic Orchestra

with Roby Lakatos

 

Der Teufelsgeiger

Virtuose Violin-Kunststücke

Wenn Roby Lakatos Feierabend hat, packt er seine Violine wieder aus. So wie jetzt in Hagen. Der wohl weltbeste Zigeunergeiger und seine Band haben zusammen mit den Hagener Philharmonikern beim Festkonzert zum 100-Jahr-Jubiläum des Orchesters ihr Publikum restlos verzaubert.

Drei Zugaben mussten Lakatos und die Philharmoniker unter Dr. Antony Hermus geben, bevor die begeisterte Höherschar sie ziehen lassen wollte. Doch nach dem Konzert ist vor dem Spiel. Wer sich eine halbe Stunde später noch im Foyer der Hagener Stadthalle tummelte, hörte plötzlich wieder feurige Klänge auf der Bühne. Roby und sein Ensemble entspannten sich mit ein paar Griffen auf Geige, Kontrabass, Cymbalom, Gitarre und Flügel. Ob Roby Lakatos in der New Yorker Carnegie Hall auftritt – wohin er nach seinem Hagener Konzert fliegt – oder in Westfalen: Er spielt immer ohne Netz und doppelten Boden, setzt alles ein, demonstriert eine Lust am Musizieren, die weit über den Geiger-Beruf hinaus eine Berufung ist. GMD Antony Hermus tanzt wie ein Derwisch auf dem Dirigenten-Podium, ihn hat das Csardas-Fieber gepackt. Roby Lakatos bringt mit seiner Geige bei »On the Waves of Lake Balaton«, der »Fiddler on the Roof«-Suite, »I’ve met you, Mama« oder der Filmmusik aus »Schindlers Liste« die Luft zum Brennen. Und seine Landsleute, die im Saal sitzen, kommentieren jeden Takt und jeden Ton begeistert und rufen »Hossa«, wenn es spannend wird. So weit geht der westfälische Hörer nicht, aber vor allem die jazzbetonten Nummern wie zum Beispiel »Le Grand Blond« lassen die Besucher bei den Soli der Band spontan Bravo jauchzen. Roby Lakatos setzt in seiner Band das Klavier als spezifische Klangfarbe und als Rhythmus-Instrument ein. Seine Musiker sind jung: der Pianist Frantisek Janoska, der Gitarrist Laszlo Balogh, der Kontrabassist Robert Feher und der zweite Geiger Laszlo Boni. Neben der Primgeige ist das Cymbalom der wichtige Melodieträger in einer Zigeunerband. Jeno Lisztes ist ein großer Meister mit den beiden Klöppeln auf 133 Saiten, das zeigt sich nicht nur beim Intermezzo aus Zoltan Kodalys »Hary-Janos-Suite«. In diesem Stück bewältigen auch die Philharmoniker große solistische Aufgaben mit Bravour. Roby Lakatos fegt über die Bühne wie ein Zauberer, seine Geige wirkt wie angewachsen, wie ein natürlicher Körperteil, sie glüht und klagt und jubelt in atemberaubender Virtuosität – und kann nicht nur die Engel zum Singen bringen, sondern auch die Vögel zum Zwitschern. Üben würde er eigentlich nicht, hat Roby im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. Er spielt einfach ständig. Und dafür liebt ihn auch das Publikum: als Teufelsgeiger, der weltweit gefeiert wird, sich aber das Herz eines Jungen bewahrt hat, der schlicht mit Freunden richtig gute Musik machen will. Mit diesem Abend hat sich der Kreis der Festkonzerte zum 100-Jahr-Jubiläum geschlossen. Von Klavier-Kabarett über gehobene Tanzmusik und Rock bis zu Zigeunerjazz hat GMD Antony Hermus mit seinem Publikum neue Klangwelten erforscht und sein Orchester als flexible und leidenschaftlich spielfreudige Philharmonie präsentiert.

Westfalenpost, 18. 05. 2008

 

 

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