Scratch-Concert 2007 »Carmina Burana«

 

Gemeinsam etwas Großes schaffen

Konzentriert sind diese Damen bei der Sache. Sie gehören zu mehr als 500 Laiensängern, die am Samstag am Scratch-Projekt 2007 teilgenommen haben. Das Ziel: Carl Orffs »Carmina Burana« an nur einem Tag einstudieren und abends in einem …

Am Ende dieses Tages siegt zwar die Erschöpfung. Das Herz aber ist voller Glück. Es war ein unwöhnlicher Tag, an dem etwas Großes geschaffen wurde von Menschen, die sich am Morgen noch nicht kannten. Sie haben ihre Stimmen zu einem gigantischen Chor vereint, der Carl Orffs »Carmina Burana« an nur einem Tag einstudiert und zu einer grandiosen Aufführung bringt.

Früh am Samstagmorgen ist es nur der Ort, der die zusammengewürfelte Menschenmasse miteinander zu verbinden scheint. Und die Freude am Singen. Mehr als 500 Frauen und Männer aus der Region, aus Hamburg, Freiburg und aus den Niederlanden sind in die Stadthalle gekommen, um am Scratch-Projekt teilzunehmen.

An nur einem Tag, so die Idee von GMD Dr. Antony Hermus, sollen Laiensänger bei dieser Aktion ein großes Musikstück einstudieren und abends im Konzert vortragen. Im vergangenen Jahr war es Mozarts »Requiem«, heute ist es »Carmina Burana«.

Der Abend, der Auftritt – beides ist noch stundenlang entfernt. Ein metallen klingendes »Dong« ruft zum Einsingen. Die Menschenmasse strebt dem Großen Saal entgegen. »Altstimmen nach rechts, bitte. Tenor und Bass in die Mitte, Soprane nach links.« Uwe Münch, Chorleiter am Theater Hagen und Geburtstagskind des Tages, weist die Sänger ein.

Bettina Kraß und Hildegard Schmidt sitzen links. Die beiden Sopranistinnen, die eine im Erinnerungs-T-Shirt an ein Rock-Festival, die andere in bunter Bluse, kennen sich nicht, kommen aber zügig ins Gespräch. »Musik verbindet eben«, sagt Hildegard Schmidt. Sie lächelt, wie so häufig an diesem Morgen.

Die Freude am Dabeisein ist bei allen Teilnehmern offensichtlich. Das ist Hermus zu verdanken. Der Satz »Er macht das super«, fällt unzählige Male an diesem Tag.

Viel Zuckerbrot, kaum Peitsche scheint die Devise des Dirigenten während der Klavierprobe am Vormittag zu sein. Hermus unterhält seinen Chor, lobt viel, motiviert und kitzelt trotz der knappen Zeit genau das heraus, was er hören will: Er schrumpft, wenn er leise Gesänge haben möchte, er bäumt sich auf beim Forte. »Swing it out«, ruft er, wippt und wiegt, fordert Energie, und macht es den Sängern leicht, ihm zu folgen: Wer Hermus' Dirgierstab nicht versteht, versteht seine Körpersprache.

Und doch: Als es Mittag wird, sind Bettina Kraß und Hildegard Schmidt mit ihrer zweiten Sopranstimme noch nicht zufrieden. »Ich krieg’ den Ton nicht richtig«, sagt Kraß. Die Sangeskollegin nickt, beide nehmen es aber leicht. »Falls es nicht klappt: Wir sind ja so viele …«

Als sich der Chor nach der Mittagspause zur Generalprobe auf der Bühne aufbaut, wird die riesige Masse der Sänger erst offensichtlich. Die zwei Sopranistinnen vom Vormittag sind in der Menge kaum auszumachen, die später noch anwächst: 200 Mädchen und Jungen positionieren sich links der Bühne: »Carmina Burana« kommt ohne Kinderchor nicht aus.

Mit den 70 Musikern des Orchesters läuft nun die Generalprobe für den Abend. Antony Hermus scheint gehetzter als am Vormittag. Langsam wird es ernst.

Bettina Kraß und Hildegard Schmidt wirken etwas abgekämpft. »Ganz schön anstrengend, sich so konzentrieren zu müssen«, meint Bettina, während ihre Mitsängerin über schmerzende Füße klagt. Eine Stunde bis zum Auftritt.

O Fortuna: Das Konzert war großartig. Der Applaus in der ausverkauften Stadthalle will nicht abschwellen. Immer wieder zieht Hermus die Solisten Stefania Dovhan, Peter Schöne und Richard von Gemert nach vorn, immer wieder verbeugt er sich vor den eigentlichen Stars des Abends: dem Kinderchor und 500 Menschen, die am Morgen noch nicht wussten, wozu sie gemeinsam fähig sind.

Westfalenpost, 06. 05. 2007

 

 

Aus Freude am Gesang

Der Klang ist gewaltig. Als am Samstagabend aus mehr als 500 Kehlen »O Fortuna« erklingt, bleibt in der ausverkauften Stadthalle kaum Raum zum Atmen. Nach dem eineinhalbstündigen, atmosphärisch dichten Konzert wirkt der frenetische Applaus …

Nach dem Konzert wird Hagens Generalmusikdirektor Dr. Antony Hermus gefeiert. Der Applaus gilt ihm, dem Philharmonischen Orchster, den Gesangssolisten des Theaters Hagen. Noch gewaltiger aber brandet der Beifall für jene Menschen auf, die die Protagonisten dieses Abends sind: Mehr als 500 Frauen und Männer, die Freude am Gesang haben und Carl Orffs »Carmina Burana« mögen. Von nun an werden sie es lieben. Das Werk hat ihnen einen unvergesslichen Lebensmoment geschenkt.

»Scratch-Projekt« nennt GMD Antony Hermus die Aktion, zu der er Laiensänger einlud, an nur einem Tag ein großes Werk der Musikgeschichte einzustudieren und es mit dem Philharmonischen Orchester Hagen in einem Konzert zur Aufführung zu bringen. Im vergangenen Jahr lockte Hermus 350 Sänger mit dem Mozart-Requiem, dieses Mal kamen mehr als 500, um »Carmina Burana« zu singen. Zusätzlich standen 200 Mädchen und Jungen als Kinderchor auf der Bühne – ein Erfolg, für den Hermus schon vorab von der Landesinitiative »Land der Ideen« ausgezeichnet wurde.

Von morgens an hatte der GMD das Stück mit Sängern, die aus der gesamten Region, aus Hamburg, Freiburg und aus den Niederlanden angereist waren, eingeprobt, zunächst mit Klavierbegleitung. Nachmittags stand die Generalprobe mit dem Orchester an. Bereits danach war klar: Das Experiment »Carmina Burana« wird glücken. »Bravo, Sie haben schon jetzt etwas Fantastisches geleistet«, lobte ein erschöpfter, aber begeisterter Antony Hermus.

Wenn es nach dem GMD ginge, könnte das Projekt jetzt schon enden. »Es geht hier um den Tag, um Erarbeiten von Musik als ein gemeinschaftliches Erlebnis«, sagt Hermus. Worte, die er kurz vor dem Auftritt wiederholen wird. »Ziel des Scratch-Projektes ist nicht die Präsentation; Ziel ist der Weg, die Freude daran, dieses Werk zu erarbeiten.«

Ein großes Stück für einen großen Abend: Die geballte Masse der Sänger auf der Stadthallenbühne ist imposant, ihr Gesang umso mehr. Sicher: Es läuft nicht alles perfekt. Dort stehen keine Profis. Aber Fehler des Einzelnen werden überdeckt durch zig andere Stimmen.

Gleiches gilt für den Kinderchor der – übereifrig – der Solistin Stefania Dovhan einen Einsatz wegnimmt. Ein Patzer, den das Publikum allerdings in keinster Weise ankreidet – im Gegenteil. Den Kleinen im roten »Scratch«-T-Shirt fliegen die Sympathien nur so zu.

Dovhan trägt mit ihrem zauberhaften Sopran zum gelungen Abend bei, auch wenn sie zu Beginn Probleme hat, den langen Ton zu halten. Peter Schöne (Bariton) und Richard von Gemert (Tenor) singen die männlichen Soli souverän, ein Leistung, die ihnen am Ende des Abends viel Applaus einbringt. Doch die Stars des Abends sind sie nicht – die stehen hinter ihnen auf der Bühne. Und genießen einen der wohl emotionalsten Augenblicke ihres Lebens.

Westfalenpost, 06. 05. 2007

 

 

Hobbysänger treffen Profis: ein kraftvolles Klangerlebnis

Vor eineinhalb Jahren hat es Antony Hermus fast niemand geglaubt – binnen 24 Stunden mit Hobbysängern ein Stück wie die »Carmina Burana« auf die Bühne der Stadthalle zu bringen. Das Scratch-Projekt stieß auch beim zweiten Mal auf Begeisterung …

Angespanntes Murmeln, Kamerablitzen erfüllen den Saal. Das Publikum ist gespannt, wie das Scratch-Projekt diesmal ausgeht. In 24 Stunden Carl Orffs »Carmina Burana« auf die Bühne zu bringen, ist alles andere als einfach. Antony Hermus schaffte es 2006 das erste Mal mit dem »Requiem« von Mozart und kann auch beim zweiten Mal überzeugen. »Grandios«, meint Karsten Groll nur, der die »Carmina Burana« bereits im Theater hörte. Die Besucher applaudieren, suchen ständig einen Augenblick, um zu klatschen. Ein schwarz-weißes Meer füllt die Bühne der Stadthalle hinter dem Philharmonischen Orchester. Gesäumt werden die Künstler von dem annähernd 200-köpfigen Kinderchor in roten Scratch T-Shirts. Es ist ein kraftvolles Klangerlebnis. Die Zuhörer sind stolz auf die Hobbysänger. Aber die Leistungen der Solisten Stefanie Dovhan, Richard van Gemert und Peter Schöne werden ebenfalls gewürdigt. Der Applaus zum Schluss will und will nicht enden. Vom Ende will Antony Hermus allerdings nicht sprechen: »Dieses Konzert ist nicht das Endprodukt. Das Ziel ist der Weg.«

Westfälische Rundschau, 06. 05. 2007

 

 

»Sie sind verliebt, so soll es klingen …«

Hobbysänger treffen auf Profis: Scratch begeisterte auch dieses Jahr wieder die Teilnehmer. Von Samstagmorgen bis nachmittags probten 500 Teilnehmer – anfangs nur mit Klavier, ab mittags zusammen mit dem Philharmonischen Orchester …

»Sie wissen genau, was sie machen müssen. Es fehlt nur noch das i-Tüpfelchen«, begrüßt Generalmusikdirektor Antony Hermus am Samstagmorgen die Teilnehmer des Scratch- Projektes zur Probe. Es findet dieses Jahr zum zweiten Mal in Hagen statt, und die Grundidee sorgt schon seit längerem in England und den Niederlanden für Begeisterung.

In weniger als 24 Stunden Carl Orffs »Carmina Burana« auf die Bühne zu bringen, das klingt für manche nach Wahnsinn. Aber die Beteiligten sind von Anfang an zuversichtlich. Ein positives Beispiel setzte ja schon Mozarts »Requiem«, das im vergangenen Jahr auf die gleiche Weise aufgeführt wurde. Am Anfang stand und steht eine Probe mit Klavier. Es schließt sich die Generalprobe mit dem Orchester an.

Beim ersten Mal war Claudia Gründling »ziemlich aufgeregt«, aber: »Im Moment bin ich einfach froh zu singen, weil mir sonst die Zeit fehlt«. Ihre Tochter sang schon 2006 mit und ist auch dieses Mal wieder dabei. Nach dem Einsingen haben die beiden keine Probleme mehr mit dem Text oder den Noten. Sie sind zwei von etwa 500 Mitwirkenden und gerade das mag Marlies Gehrsmann an Scratch: »Es ist toll, mit so vielen zu singen.« Die Hagenerin singt seit vier Jahren im Kirchenchor Bonifatius.

Christian Zurnieden und seine Tochter Anna aus Schwelm sind hingegen das erste Mal dabei – dank der positiven Rückmeldungen – und wären es auch »sofort wieder«. Die zwei lächeln, wie auch die anderen Hobbysänger. »Satt« soll es klingen, »energiegeladen« und manche Stellen wie der Berührungspunkt von einem Finger und der Elektroherdplatte, fordert GMD Antony Hermus. »Er reißt einen sehr mit«, sagt Marion Offelmann über ihn. Birgit Ebbinghaus hält ihn »für einen ganz tollen Mann«. Und er versteht es, die Teilnehmer zu motivieren. Ein Tipp von ihm: »Stellen Sie sich vor, Sie sind zwölf Jahre alt und verliebt – so soll es klingen.« Von Lied zu Lied klingt es besser, die »Carmina Burana«. Das ist nicht zuletzt Antony Hermus und den ehrgeizigen Hobbysängerinnen zu verdanken.

Westfälische Rundschau, 06. 05. 2007

 

 

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