Symphony Concert Philharmonic Orchestra Hagen

»Mozart | Tschaikowsky«

 

Aufwühlende Romantik

Tschaikowskys 6. Sinfonie ist ein großes romantisches Werk, das die Zuhörer immer wieder verblüfft. Denn die »Pathétique« schließt mit einem langsamen Finale, nicht mit dem üblichen jubelnden Kehraus. Häufig gibt es daher bereits nach dem furiosen dritten Satz ebenso stürmischen wie verfrühten Schlussbeifall. So auch beim letzten Sinfoniekonzert der Hagener Philharmoniker in dieser Saison. Unter ihrem jungen holländischen Generalmusikdirektor Antony Hermus liefern die Musiker eine aufwühlende Interpretation der »Sechsten«. Hermus nimmt das Tempo extrem langsam und entwickelt im Eingangssatz aus dem Konflikt zwischen choralartig-getragenen Motiven und den gewaltigen Einsätzen der Trompeten und Posaunen dichte Spannungs-Momente. Die Blechbläser-Eintritte erlangen Schlüsselfunktion, sie markieren emotionale Höhepunkte, die der Dirigent mit schwelgenden Bögen vorbereitet. Im Walzer unterstreicht Hermus den pikanten Fünfvierteltakt, während der Marsch aus dem heiteren Start heraus an geradezu dämonischer Fahrt gewinnt. Danach wirkt das eigentliche Finale wie ein Schock. Konzentriert versenken sich die Philharmoniker in dieses tieftraurige, leise Gebet. Überhaupt spielen die Musiker hellwach und zeigen wunderbare Sololeistungen vor allem am Fagott. ... Und so arbeitet Antony Hermus - hier im Sinne der historischen Aufführungspraxis ohne Stab dirigierend - in Mozarts »kleiner« g-Moll-Sinfonie KV 183 das Dunkle heraus, die aufwühlende Sturm- und Drang-Stimmung aller vier Sätze ...

Westfälische Rundschau, 31. 05. 2006

 

 

Zwischen Intimität und virtuoser Brillanz

Unter Antony Hermus ließ das Philharmonische Orchester Hagen mit rhythmischer Präzision die sperrigen Synkopen und grimmig aufbegehrenden Dreiklänge des Hauptthemas im ersten Satz ebenso markant und plastisch aufblitzen wie das tänzerisch beschwingte Menuettthema und die kunstvollen kontrapunktischen Verläufe des ausgedehnten Finalrondos...

Westfalenpost, 31. 05. 2006

 

 

Bis zu explosiven Gefühlsausbrüchen

Mit durchdachter Klangregie und sicherem Instinkt für die Kombination instrumentaler Klangfarben ließen Antony Hermus und das Orchester dem düster dräuenden »Schicksalsmotiv« in tiefsten Holzbläserlagen mit ruhigem metrischem Puls Raum zur Entfaltung. Die darauffolgenden Themeneinsätze des eher zögerlich beginnenden »Allegro ma non troppo« wurden mit intepretatorischer Weitsicht erst allmählich zu dramatisch explosiven Gefühlsausbrüchen gesteigert. Die schwerelos dahingleitende Tanzszene des zweiten Satzes im ungewöhnlichen 5/4- Takt wurde in zarten Pastellfarben gemalt, das quirlige Scherzo mutierte vom koboldhaften Reigen zum knalligen, die tragische Stimmung grell übertünchenden Triumphmarsch. Am Ende des Finales in ebenso ungewöhnlichem »Adagio lamentoso« schloss sich der Kreis mit der melancholischen Depressivität des Anfangs – eine ergreifende Interpretation.

Westfalenpost, 31. 05. 2006

 

 

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