Operngala im Theater
Bravo-Rufe für tolle Leistung
Die Operngala »Bravo! Bravissimo!« am Sonntagabend im Stadttheater bescherte Solisten, Opernchor und Philharmonischem Orchester unter Antony Hermus viele (imaginäre) Vorhänge, um in der Sprache der Gattung zu bleiben. Es war der Abschied des Dirigenten von den Opernfreunden.
Stürmischer Applaus bescheinigte ihm noch einmal die Begeisterung, mit der das Publikum stets seine Arbeit auf dem Gebiet des Musikdramas würdigte. Man bestritt das Programm mit Kräften des Hauses; zwei Gäste (Stefan Adam und Marcela de Loa) waren für verhinderte Kollegen eingesprungen. Norbert Hilchenbach führte mit viel Hintergrundwissen über den Werdegang der Opern und Musicals durch den Abend.
Die Ouvertüre zu Mozarts »Figaros Hochzeit« mit ihren Spannungsbögen von schwebend leichten Streicher-Passagen bis zum strahlenden Orchester-Tutti eröffnete das Konzert. Stefania Dovhan, Marilyn Bennett und Jan Friedrich Eggers sangen mit viel Inbrunst ein Terzett aus »Cosi fan tutte« (Mozart). Dominik Wortig stellte sich mit einer Arie aus dem »Barbier von Bagdad« (Peter Cornelius) vor. Sein schlanker Tenor schwang sich klangvoll bis zu Höhen in der Alt-Lage hinauf.
In einem Duett aus »Pagliacci« (Leoncavallo) mit Stefania Dovhan und Jan Friedrich Eggers unterstrich ein zartes Cello-Solo die Rolle des Sängers, während zarte Dreiklänge der Harfe die Partie der Partnerin begleiteten. Gewaltiger Aufruhr der Gefühle ballte sich im Orchester-Forte zusammen, ohne die Sängerstimmen zu übertönen. Kristine Larissa Funkhausers Sopran war mit geschmeidigen Glissandos und sauber angesetzten hohen Tönen bei Intervallsprüngen die ideale Besetzung für die Arie der Santuzza aus »Cavalleria rusticana« (Mascagni). Stefan Adams schwarzer Bass entfaltete viel Kraft, aber auch gefühlvoll schmachtende Töne in dem Prolog des Tonio aus »Pagliacci«; der Opernchor verfügte im Glockenchor zum »Ding Dong« des Orchesterschlagzeugs über großes Ausdruckspotenzial. Stefania Dovhan sang innig-schlicht das Lied der Rusalka an den Mond aus »Rusalka« (Dvorak). Marcela de Loa und Frank Dolphin Wong gestalteten das Duett Leonora/Graf Luna aus dem »Troubadour« (Verdi) perfekt kongruent mit der Orchesterbegleitung in den Koloraturparallelen.
Bizets »Carmen« war mit der heißblütigen Introduktion zum 4. Akt, dem temperamentvollen Chor der Verkäufer und dem Chanson »Auf in den Kampf« mit Wong vertreten, der die Partie mit Eleganz sang, wobei der Opernchor den Marschrhythmus betonte. Mit Tanja Schuns jungem Sopran war die Arie der Lauretta aus »Gianni Schicchi« (Puccini) glänzend besetzt.
Marilyn Bennett mimte in dem Evergreen »Meine Lippen, sie küssen so heiß« eine mondäne Giuditta (Franz Lehár). Richard van Gemerts Tenor traf in einem Song des Freddy aus »My Fair Lady« perfekt den lässigen Musical-Ton. Werner Hahn verfluchte als Higgins seine Liebesgefühle und wechselte routiniert zwischen Sprechtext und Gesang. Tanja Schun und Jeffery Krueger sangen nach »Maria« dem Publikum mit »Tonight« aus »West Side Story« ein gefühlvolles Abendlied. Die turbulente Schlussfuge aus »Falstaff« (Verdi) vereinigte alle Beteiligten auf der Bühne.
Westfalenpost, 16. 06. 2008