Symphony Concert Phiharmonic Orchestra Hagen

»Diepenbrock | Brahms | Dorak«

 

Musikalische Freundschaften

Johannes Brahms und Antonin Dvorak waren nicht nur Komponisten-Kollegen, sondern auch enge Freunde. Mit Brahms Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester sowie der sechsten Sinfonie von Dvorak feierten die Hagener Philharmoniker unter ihrem Generalmusikdirektor Antony Hermus jetzt in der Hagener Stadthalle ein glanzvolles Fest der romantischen Musik. Manchmal stimmt bei einem Konzert einfach alles: Das Orchester sprüht vor Spielfreude, die Solisten sind gleichermaßen gut, konzentriert und locker. Eine solche glückliche Kombination gelingt den Hagener Philharmonikern bei der Begegnung mit dem Geiger Wouter Vossen und dem Cellisten Marc Vossen. Die Brüder aus Holland finden im Doppelkonzert von Brahms eine wunderbare Balance zwischen dichter musikalischer Gestaltung und unverkrampftem Dialog miteinander und mit dem Orchester. Sie stellen die kontrapunktischen Verflechtungen der Partitur ebenso heraus wie Brahms breite Skala der Gefühle und können – was selten ist – die Intimität von Kammermusik im großen sinfonischen Kontext realisieren. Der 32-jährige Wouter und der 34-jährige Marc sind in den Niederlanden gefragte Musiker, in Hagen zeigen sie lebhaftes Temperament und tiefe Durchdringung des Werkes. Antonin Dvoraks »Sechste« ist nicht so bekannt wie die nachfolgenden Sinfonien Nr. 7 bis Nr. 9. Sie stellt quasi Dvoraks Eintrittskarte in die internationale Musikwelt dar, denn der bis dato nur in seiner böhmischen Heimat bekannte Komponist schrieb sie 1880 im Auftrag von Hans Richter für die Wiener Philharmoniker. Entsprechend gewichtig ist das Werk auch angelegt. Der 33-jährige Hagener GMD Antony Hermus setzt vor allem auf lebhafte Kontraste von laut und leise und fügt alle vier Sätze mit einem durchweg beschwingten Puls zu einer Einheit zusammen. Mit breitem Rubato unterstreicht Hermus die gewaltige sinfonische Geste der Musik, während die Philharmoniker in magischen Klängen erblühen und mit zahlreichen Sololeistungen in den Holzbläsern und Hörnern betörende Akzente setzen. Zum Auftakt eine Wiederentdeckung: die Bühnenmusik zu Sophokles »Elektra« des vergessenen holländischen Komponisten Alphons Diepenbrock (1862 – 1921). Obwohl 1920 komponiert, ist das Werk ganz dem spätromantischen Stil verpflichtet: mit schwelgenden Streicherphrasen und dunklen Trauermarsch-Rhythmen. Die Gewinner unserer Theaterfahrt-Aktion, die KKV Unitas Menden, die Landfrauen Bad Laasphe und der MGV Heiderose Hagen waren begeistert – von der hervorragenden Darbietung und von der berühmt herzlichen Atmosphäre bei den Hagener Sinfoniekonzerten. Das Konzert wurde vom WDR-Hörfunk mitgeschnitten. Es wird am 8. März um 20.05 Uhr auf WDR 3 übertragen.

Monika Willer, 08. 02. 2006

 

 

Solisten Wouter und Marc Vossen musizierten brillant

Musikalische und textlich-inhaltliche »Dialoge« standen als programmatische Devise im Zentrum des sechsten Sinfoniekonzertes. Wie seine Zeitgenossen Franz Schreker und Alexander Zemlinsky schuf Alphons Diepenbrock als Grenzgänger zwischen Spätromantik und der erweiterten Tonalität des 20. Jahrhunderts eine ganz eigene Klangsprache mit komplexer Satztechnik, farbenreicher Instrumentation, dissonanten Einwürfen und hochexpressiver Dynamik. Seine dialogartige Auseinandersetzung mit dem antiken Theater und speziell dem tragischen »Elektra«-Stoff mündete in eine von Eduard Reeser redigierte und zusammengestellte Bühnenmusik zum Drama des Sophokles. Die dramatischen Gefühlsausbrüche, ekstatischen Entladungen und differenzierten instrumentalen Ausdruckswerte wurden in der Interpretation des Orchesters unter Antony Hermus eindrucksvolle klangliche Realität. Einen opulent-sinfonischen, in dynamischen Zwischenstufen feingewebten orchestralen Klangteppich breitete das Orchester für zwei weitere hochkarätige Dialogpartner aus. Wouter Vossen, Violine, und sein jüngerer Bruder Marc Vossen, Violoncello, waren die überragenden Solisten im Doppelkonzert a-moll von Johannes Brahms. Mit leidenschaftlichem Impetus, romantischer Emphase und souveräner Sicherheit im wechselseitigen Zusammenspiel gestalteten sie den Solopart, der mit einer Kadenz des Cellos einsetzte. Im Wechselspiel mit dem Orchester gaben sie den ausgedehnten thematischen Spannungsbögen Raum zur Entfaltung. Reizvoll wurde im Andante der Kontrast zwischen leuchtenden Holzbläserakkorden und dem raumfüllenden, sonor-kraftvollen Ton der Solisten, der auch lyrische Empfindsamkeit entwickeln konnte, ausgespielt. Der mit virtuosem Zugriff und musikantischem Spielwitz ausgetragene musikalische Wettstreit des Finales mündete in eine brillante Schlusscoda. Der unerschöpfliche melodische Erfindungsreichtum Antonin Dvoraks entfaltet sich auch in seiner selten gespielten Sinfonie Nr. 6 in D-Dur op. 60. Hier integrierten Dirigent und Orchester die spannungsgeladenen Wechsel zwischen prachtvollen Orchestertutti und filigranen Dialogen zwischen einzelnen Instrumentengruppen in eine große sinfonische Linie. Pure Klangschönheit und Melodienseligkeit im Adagio, getragen von leuchtenden Hörner- und Holzbläserstimmen, wurde im Scherzo von praller Lebenslust böhmischer Volksmusik abgelöst. Im Fiantrondo herrschte ein durch diszipliniertes, straffes Musizieren bestimmter Konversationston vor, der in einen übermütig davonpreschenden Schluss mündete. Ein abwechselungsreiches Programm voller fruchtbar musikalische »Dialoge«.

Lokalausgabe Hagen, 09. 02. 2006

 

 

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