Kanu-Party mit Philharmonikern
Ausverkauftes Open-Air-Konzert auf der WM-Plaza. Viel Beifall für das Duisburger Orchester. Gefühlvolles Spiel von Geiger David Garrett. Anthony Hermus als souveräner Dirigent.
Die Duisburger Philharmoniker haben wirklich treue Fans, die ihr Orchester nicht nur bei Gratis-Konzerten hören wollen. So war das Open-Air-Konzert am Freitag auf der WM-Plaza an der Regattabahn ausverkauft.
Geboten wurden 105 unterhaltsame und kurzweilige Minuten. Um dem internationalen Charakter der Kanu-WM gerecht zu werden, standen mit Jean Sibelius »Finnlandia« und Friedrich Smetanas »Die Moldau« zwei Klassiker aus den nationalen Schulen der Romantik auf dem Programm. Besonders in der musikalischen Beschreibung des tschechischen Flusses gelang es den von Anthony Hermus geleiteten Philharmonikern, die klanglichen Feinheiten der Partitur auszukosten.
Hatte die klangliche Verstärkung im letzten Jahr restlos überzeugt und begeistert, so gingen die kammermusikalischen Feinheiten vieler Werke in diesem Jahr verloren. Wer zwischen Orchester und Mischpult saß, wurde akustisch hervorragend bedient. Im hinteren Bereich kam weniger Klang an und das Fässerrollen, Türenschlagen und Flaschengeschepper der Improvisationskünstler an den Getränkeständen behinderte den Hörgenuss zusätzlich.
Zum Glück erwies sich Dirigent Anthony Hermus nicht bloß als hervorragender Orchester-Animateur, sondern der niederländische Dirigent fand auch schnell den Draht zu den Zuhörern, sparte nicht mit Holländer-Witzen und Seitenhieben auf André Rieu. Das Publikum zeigte sich genauso gut gelaunt wie Orchester und Dirigent und sparte nicht mit Beifall.
Ebenso virtuos wie wild präsentierte sich der aus Aachen stammende und jetzt in New York lebende Geiger David Garrett. Vivaldis »Sommer« musizierte er mit energischem und rauem Bogenstrich, Pablo de Sarasates vertrackte »Zigeunerweisen« spielte er mit bewundernswerter Lässigkeit. Von seiner gefühlvollen Seite zeigte sich David Garrett in der Violinen-Romanze in F-Dur von Ludwig van Beethoven und dem Metallica-Klassiker »Nothing else matters«, das bei Garrett wie Puccini klang.
Musikalisch etwas enttäuschend geriet die Uraufführung von Frank Graczyks »Song für Duisburg«. Textlich reiht das Lied ein Duisburg-Klischee an das andere, während sich die Musik aufplustert als sei sie die Nationalhymne.
Da passte es dann auch, dass Sänger Benjamin Martell, der das Lied gefühlvoll interpretierte, die »Einigkeit, die jeder spürt« besingen durfte. Recht und Freiheit wurden aber leider dabei nicht erwähnt.
Das Publikum dankte den Duisburger Philharmonikern und ihrem Dirigenten für ein schönes und weltmeisterliches Open-Air-Konzert.
WAZ Duisburg, 12. 08. 2007