Antony Hermus präsentiert sein Orchester ohnehin in Bestform. Bei Bedrich Smetanas Ouvertüre zur »Verkauften Braut« glänzen die Streicher in den gefürchteten schnellen Passagen, und Joseph Haydns Sinfonie Nr. 104 D-Dur wird anschließend zu einem regelrecht revolutionären Hör-Erlebnis. Antony Hermus hat in der Pflege des Haydn-Repertoires schon viele Akzente mit seinem Orchester gesetzt. Für ihn ist »der Papa«, wie Mozart den Komponisten nannte, kein Vorläufer und Wegbereiter der Wiener Klassik, dafür aber ein völlig unterschätzter, eigenständig-großer Meister. So zeigt Hermus Joseph Haydn in dieser späten Londoner Sinfonie als einen wegweisenden Harmoniker, dessen raffinierte Modulationen eher dem Sturm und Drang entsprechen, als brav-vorklassisch sind.
Westfalenpost, 30. 08. 2006