Antony Hermus bezieht deutlich Stellung
Ein Orchester ohne GMD ist undenkbar
Der scheidende Generalmusikdirektor Antony Hermus äußerte sich gestern im Rahmen einer Pressekonferenz ungewohnt deutlich zur Debatte um die Wiederbesetzung seiner Stelle.
»Ein GMD ist nicht der Generalmusikdirektor eines Orchesters, sondern ein Generalmusikdirektor für die ganze Stadt«, gab Hermus zu Protokoll. So sehe das auch sein designierter Nachfolger Florian Ludwig. Dass beispielsweise renommierte Musiker wie das Storioni Trio nicht nur beim Sinfoniekonzert als Gastmusiker auftreten, sondern im Nachgang auch noch ein Kammerkonzert in der Stadthalle geben, sei ohne Generalmusikdirektor nicht denkbar. Zudem sei ein Orchester ohne GMD nicht denkbar. »Aber über Selbstverständlichkeiten sollte man eigentlich nicht groß reden.«
Auch wenn er nicht befugt sei, das Verfahren zu kommentieren, ließ er seinem Unmut freien Lauf: »Wenn Arnsberg eine andere Kulturpolitik haben möchte, soll man das offen sagen.« Eine sechsmonatige Sperrfrist bei der Wiederbesetzung jedenfalls entspreche genauso wenig der Realität im Orchesterbetrieb, wie eine interne Lösung. »Wer soll das denn machen, wenn neben dem GMD auch der Kapellmeister geht?« Die Debatte im politischen Raum verärgert Hermus auch auf anderer Ebene. »Jeder, der hier arbeitet, brennt für dieses Haus«, betont der Generalmusikdirektor, der Ende August seinen Posten räumen wird. Vor diesem Hintergrund sei das aktuelle Gezerre »eine Unverschämtheit«.
Westfälische Rundschau, 22. 02. 2008
Generalmusikdirektor Antony Hermus bricht sein Schweigen zu den Sparplänen
»Wir müssen diese Schande von Hagen abwenden«
Nach den neusten Informationen aus Arnsberg zur Zukunft des Hagener Orchesters redete Generalmusikdirektor Antony Hermus am Dienstag Klartext. Eigentlich wollte sich Generalmusikdirektor Antony Hermus erst nach der heutigen Sitzung des Kulturausschusses öffentlich zur politischen Diskussion um die Wiederbesetzung seines Postens äußern. In einem »blauen Brief« aus Arnsberg, der Anfang des Monats im Rathaus ankam, war gefordert worden, den GMD-Posten intern zu besetzen. Für Hermus eine Ungeheuerlichkeit, die er offiziell bislang unkommentiert ließ.
Gestern aber sickerte erneut eine Überlegung durch, zu der der GMD nicht mehr schweigen wollte: Das Orchester, so heißt es aus Arnsberg, soll einen hohen Beitrag zur Haushaltskonsollidierung leisten. Die Rede ist von einem sechsstelligen Betrag. Noch am Abend trat Hermus in der Stadthalle vor die Besucher des Sinfoniekonzertes, um sie mit folgenden Worten für die kulturpolitische Misere zu sensibilisieren:
»Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich muss dringend mit Ihnen reden. Es ist eines meiner letzten Konzerte hier in Hagen. Daraus könnte man schließen, dass mich die ganze Sache nichts mehr angeht. Aber das, was ich sagen möchte, geht mich sehr wohl etwas an, weil es Sie alle, unser Publikum, angeht. Ich hatte zehn Jahre lang meine berufliche Heimat hier in Hagen. In vier Monaten werde ich meine Heimat verlassen.
In den letzten Tagen habe ich erfahren, dass sich offensichtlich Unglaubliches anzudeuten scheint. Aus verlässlichen Informationen entnehme ich, dass die Bezirksregierung in Arnsberg nur dann bereit ist, die Neueinstellung des Generalmusikdirektors der Stadt Hagen abzusegnen, wenn gleichzeitig der Orchesteretat in einem erheblichen Maße runtergefahren wird.
Wenn das der Fall ist, und leider habe ich keinen Zweifel daran, dass es so ist, haben wir es hier mit einem einmaligen politischen Vorgang zu tun, der alle Kulturinteressenten dieser Stadt den Atem nehmen muss. Ein solcher Fall von kulturpolitischer Erpressung wäre einmalig in der Geschichte dieser Stadt, einmalig in der Geschichte dieses Landes.
Wir vom Theater und aus dem Orchester werden das nicht hinnehmen, und wir werden darum kämpfen, dass der Stadt Hagen diese Schande erspart bleibt. Sind Sie bereit uns dabei zu helfen? In der Pause können Sie ein Formular mit der E-Mail-Adresse unseres Kulturdezernenten Gerbersmann abholen (christoph.gerbersmann@stadt-hagen.de). Schreiben Sie ihm, und helfen Sie ihm, mit Ihrer Meinung diese Krise zu meistern und diese Schande von Hagen abzuwenden.«
Westfalenpost, 26. 02. 2008
GMD Antony Hermus kritisiert Gezerre um Wiederbesetzung seines Postens
Politische Erpressung und Schande für die Stadt
Antony Hermus nahm beim Sinfoniekonzert in der Stadthalle gestern kein Blatt vor den Mund.
Er sprach im Zusammenhang der Wiederbesetzung seines Postens von »politischer Erpressung«, »unglaublichem Schacher« und einer »Schande für die Stadt Hagen«.
»Es ist eines meiner letzten Konzerte in Hagen. Daraus könnte man schließen, dass die ganze Sache mich nichts mehr angeht«, so der scheidende Generalmusikdirektor. »Aber was ich sagen möchte, geht mich sehr an, vor allem, weil es alle angeht.« Damit machte er sich vier Monate vor Ende seiner zehnjährigen Schaffenszeit eindeutig stark für den Posten des Generalmusikdirektors und sprang für seinen Nachfolger in die Bresche. »Verlässlichen Informationen entnehme ich, dass Arnsberg die Neueinstellung des Generalmusikdirektors der Stadt Hagen nur bereit ist abzusegnen, wenn gleichzeitig der Orchesteretat in einem erheblichen Maße heruntergefahren wird«, so Hermus. »Ein solcher Fall von politischer Erpressung wäre einmalig in der Geschichte dieser Stadt, einmalig in der Geschichte dieses Landes.« Im Raum stehe dabei eine Summe im sechsstelligen Bereich. »Wir haben es hier mit einem einmaligen politischen Vorgang zu tun, der allen Kulturinteressierten dieser Stadt den Atem nehmen muss.« Nach diesen Worten ging ein Raunen durchs Publikum, es wurde heftig applaudiert und auch das Orchester klopfte zustimmend. Da Hermus’ designierter Nachfolger Florian Ludwig aus Bremen derzeit nicht wirklich in der Position ist, deutlich Stellung zu beziehen, versprach Hermus ihm nicht nur seine Solidarität: »Wir alle im Theater und Orchester werden das nicht hinnehmen und wir werden dafür kämpfen, dass der Stadt Hagen diese Schande erspart bleibt.« Dabei mitzuhelfen, bat Hermus die Konzertbesucher »stellvertretend für Politik und Verwaltung« – und an Kulturdezernent Christoph Gerbersmann zu schreiben.
Westfälische Rundschau, 26. 02. 2008
Jetzt ist von Erpressung die Rede
Im 100-Jahr-Jubiläum sind die Hagener Philharmoniker erfolgreicher denn je. Zum Geburtstag erhält das älteste kommunale Orchester Westfalens jetzt allerdings eine schallende Ohrfeige.
Die Kommunalaufsicht in Arnsberg macht die Neubesetzung der Generalmusikdirektoren-Position offenbar von Einsparungen im sechsstelligen Bereich abhängig.
Beim Sinfoniekonzert in der Hagener Stadthalle zeigte sich der scheidende GMD Dr. Antony Hermus jetzt bitter enttäuscht über diese Quittung für seine engagierte und viel gelobte Arbeit: »Ein solcher Fall von kulturpolitischer Erpressung wäre einmalig.«
Werke von Karol Szymanowski, Ludwig van Beethoven und Bela Bartok stehen auf dem Programm des Konzertes. Antony Hermus legt die Orchesterfassung der Roxana-Arie aus Szymanowskis Oper »König Roger« als konzentrierten spätromantischen Klagegesang an, voller wunderbarer Streicher-Elegien und einem von Bijan Fattahy mit äußerster Delikatesse ausgesungenen Bratschensolo.
Hagen ist im Nothaushalt, die Kommunalaufsicht hat überraschend ihr Veto für die Besetzung der ab Sommer vakanten GMD-Stelle angemeldet. Nun soll das Orchester durch Etatkürzungen (sprich Stellenstreichungen) für die unerlässliche Führungsposition regelrecht bezahlen.
Als Antony Hermus GMD in Hagen wurde, musste er einen Scherbenhaufen aufkehren. Trotz aller Warnungen hatte die Stadt zuvor ihr klingendes Aushängeschild in einen Orchesterverbund gezwungen. Dessen politisches Scheitern kostete die Philharmonie acht Planstellen und eine jährliche Etatkürzung von 35 000 Euro. Das ist gerade fünf Jahre her. Der damals 29-jährige promovierte Wirtschaftsinformatiker meisterte die Aufgabe, das Publikum zu halten, obwohl sich das Angebot objektiv verschlechtert hatte: für große Sinfonik sowie für illustre Solisten ist kein Geld mehr vorhanden. Also nahm Hermus seine Zuhörer mit auf die Suche nach den Talenten von morgen.
Zum Beispiel das Storioni Trio Amsterdam. Seit ihrem ersten Aufritt in Hagen gastieren die drei jungen Holländer auf den großen Konzertpodien der Welt. Und mit Beethovens Tripelkonzert liefern Wouter Vossen (Violine), Marc Vossen (Cello) und Bart van de Roer (Klavier) eine Lehrstunde in vollendetem Zusammenspiel, kultiviertester Klanggestaltung und überschäumender Musizierlust. Antony Hermus legt das Tripelkonzert als Sturm-und-Drang-Werk an, mit trotzig aufrauschenden Fanfaren und durchweg tänzerischem Puls.
In Bela Bartoks »Konzert für Orchester« bewältigt die ganze Philharmonie hervorragend alle solistischen Aufgaben. Hermus interpretiert dieses im amerikanischen Exil entstandene Spätwerk des ungarischen Komponisten als erschütternde Bekenntnismusik rund um den zentralen langsamen Satz. Die Musiker glänzen durch ihr aus tiefster Seele empfundenes Spiel.
Die Hagener Philharmoniker haben nie an ihrem Publikum vorbeigespielt. Unter der Leitung von Antony Hermus leisten sie ihren Operndienst, machen mit Konzerten auf sich aufmerksam, schlagen Brücken zu Rock und Pop, gehen in die Schulen, rufen vielbeachtete Jugend-Projekte ins Leben, binden die Chöre der Region ein: und das alles mit einem konkurrenzlos kleinen Personalbestand und einem erbärmlichen Etat. Antony Hermus ist sprachlos angesichts der neuen Sparpläne. »Eine weitere Verringerung der Zuschüsse würde jetzt heißen, einen Flächenbrand zu entfachen, in den das Theater und sein Orchester ohne Sinn, ohne Gnade und ohne Rückfahrschein geschickt werden.«
Westfalenpost, 27. 02. 2008
Gerbersmann fängt Hermus ein
Keinen leichten Stand hatte gestern Noch-GMD Antony Hermus, der im Kulturausschuss von Kulturdezernent Christoph Gerbersmann in ungewohnter Deutlichkeit abgewatscht wurde.
Es ging um die Äußerungen, die Hermus am Dienstag bezüglich der GMD-Wiederbesetzung gemacht hatte. Unter anderem sprach Hermus von »kulturpolitischer Erpressung« (die WP berichtete).
In einer persönlichen Stellungnahme Gerbersmanns heißt es: »Die Zweifel an der Rechtmäßigkeit einer Wiederbesetzung der Stelle des GMD wurden aus Arnsberg geäußert und kamen nicht von der Verwaltung … Weder der Oberbürgermeister noch ich als Kulturdezernent haben in den letzten Wochen auch nur den geringsten Zweifel daran gelassen, dass die Wiederbesetzung aus unserer Sicht unabdingbar ist … Niemand käme auch ernsthaft auf die Idee, ein Theater ohne Intendant betreiben zu wollen.« Gerbersmann erzürnt weiter: »Deutlich sage ich, dass die Äußerungen von Herrn Hermus genauso untragbar wie kontraproduktiv sind. Auch ein zweifellos engagierter und künstlerisch herausragender Mitarbeiter wie Herr Hermus hat nicht das Recht, sich öffentlich derartig über das Verhalten der Aufsichtsbehörden zu äußern und aus internen Gesprächen des Hauses zu berichten.”«Durch Hermus’ Äußerungen sieht der Kulturdezernent das bereits terminierte Gespräch zwischen dem OB und ihm (Gerbersmann) einerseits sowie dem Regierungspräsidium in Arnsberg und dem Mentor andererseits erheblich belastet. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen wurde Hermus nicht gestattet – acht Stimmen im Kulturausschuss sprachen sich gegen, nur vier für ihn aus.
Auch Intendant Norbert Hilchenbach unterstützte – wenn auch indirekt – Gerbersmanns Hermus-Kritik: »Ich danke Ihnen, Herrn Gerbersmann, für Ihre Worte und die des Oberbürgermeisters.«
Westfalenpost, 27. 02. 2008
Kämmerer Gerbersmann und Mentor Bajohr:
Antony Hermus hat der GMD-Nachfolge eher geschadet
Hohe Wellen schlug Antony Hermus Aufruf, »die Schande« einer Nicht-Nachbesetzung der Stelle des Generalmusikdirektors (GMD) zu verhindern. Kulturdezernent Christoph Gerbersmann bezog im Kulturausschuss deutlich Stellung.
GMD Hermus hatte der Kommunalaufsicht »politische Erpressung« vorgeworfen und zu eMail-Protesten an die Adresse von Christoph Gerbersmann aufgerufen. Der hielt Hermus im Ausschuss entgegen, der Sache damit mehr geschadet als gedient zu haben. »Weder der Oberbürgermeiter noch ich haben Zweifel daran gelassen, dass wir für eine Wiederbesetzung sind«, so Gerbersmann, der in der Doppelverantwortung Kultur/Kämmerei die Gespräche führt. Auch unter wirtschaftlichen Aspekten sei nachvollziehbar, dass ein GMD günstiger sei als häufig Gastdirigenten zu verpflichten. »Aber die Art, in der Antony Hermus aufgetreten ist, lasse ich mir auch angesichts seiner großen Verdienste als Vorgesetzter nicht gefallen«, schäumte Gerbersmann noch einen Tag später.
Eigentlich sollten in einer Woche Gespräche mit der Kommunalaufsicht stattfinden, aber ob da nun noch eine gütliche Einigung möglich sei, wäre nun fraglich. Der Sparmentor Prof. Bajohr versuchte gestern im Gespräch mit der WR die Wogen zu glätten – auch wenn er ebenfalls betonte, Hermus Vorstoß habe der Angelegenheit eher geschadet. »Natürlich musste Arnsberg die Besetzung doch erstmal untersagen«, so der Sparbeauftragte der Stadt, »ein GMD ist eine freiwillige Leistung und die kann eine hochverschuldete Kommune in der Regel nicht besetzen«. Doch, fügt er hinzu, es gebe keine Regel ohne Ausnahme, »und nur weil ich frage, ob das Sinn macht, heißt es doch nicht, dass ich gegen eine Neubesetzung bin.« Weder sei das »ob« noch das »wie« entschieden. Ein neuer GMD-Kandidat könne ja vielleicht auch Ideen vorlegen, mit denen nicht nur gespart, sondern auch mehr eingenommen werden könnte. Ein Konzept des Sparens bei gleichzeitiger Erhöhung der Einnahmen verfolgt auch die Empfehlung des Actori-Gutachtens. Zu dessen Umsetzung bekannte sich Christoph Gerbersmann gestern ausdrücklich vor dem Kulturausschuss.
Westfälische Rundschau, 27. 02. 2008
Hagener GMD spricht von »Erpressung«
Hagens Generalmusikdirektor Antony Hermus wirft der Bezirksregierung in Arnsberg bei der Wiederbesetzung seines Postens »kulturpolitische Erpressung« vor, die »einmalig in der Geschichte der Stadt« sei.
»Aus verlässlichen Informationen entnehme ich, dass Arnsberg die Wiederbesetzung des Generalmusikdirektors der Stadt Hagen nur bereit ist abzusegnen, wenn gleichzeitig der Orchester-Etat in erheblichen Maße heruntergefahren wird.« Der scheidende GMD richtete im Rahmen des gestrigen Sinfoniekonzertes des Philharmonischen Orchesters emotionale Worte an das Publikum.
Hermus wird zum Ende der Spielzeit das Orchester Hagen nach zehn Jahren auf eigenen Wunsch verlassen. Als Nachfolger für den Posten des GMD hat eine Findungskommission Florian Ludwig aus Bremen benannt. Der jedoch sitzt zurzeit ohne Vertrag zwischen den Stühlen, würde eine weitere Etatreduzierung seinen Gestaltungsspielraum doch deutlich einschränken.
Das jedoch kann der neue Mann zum jetzigen Zeitpunkt kaum artikulieren. Deshalb sprang Hermus für den Nachfolger in die Bresche: »Wir alle vom Theater und Orchester werden das nicht hinnehmen und werden dafür kämpfen, dass der Stadt Hagen diese Schande erspart bleibt.« Hermus hat in der Vergangenheit schon öfter deutlich gemacht, dass ein GMD nicht nur für ein Orchester, sondern für die ganze Stadt die musikalische Verantwortung trägt.
Westfälische Rundschau, 28. 02. 2008
Spar-Diskussion um Orchester
Hilchenbach: »Aktion war mit mir abgestimmt«
Der Rüffel des Kulturdezernenten Christoph Gerbersmann für Antony Hermus hallt nach. Am Mittwoch hatte Gerbersmann den scheidenden GMD für seine öffentliche Stellungnahme zu möglichen Einsparungen beim Philharmonischen Orchester kritisiert. Gestern erklärten sich diesbezüglich Theaterintendant Norbert Hilchenbach und Hermus im Gespräch mit der WP.
Antony Hermus hatte vor Beginn des Sinfoniekonzertes am Dienstag dem Publikum von drohenden Einsparungen beim Orchester in womöglich sechsstelliger Höhe berichtet, sollte im Gegenzug der GMD-Posten wiederbesetzt werden (die WP berichtete). Aus verlässlichen Quellen sei ihm von dieser Sparidee aus Arnsberg berichtet worden, so Hermus am Dienstag – für ihn eine kulturpolitische Ungeheuerlichkeit, die er nicht verschweigen wollte. Für dieses Vorpreschen in die Öffentlichkeit hatte Gerbersmann Hermus einen Tag später im Kulturausschuss scharf gerügt. Hermus dazu: »Ich wollte niemanden von der Stadt persönlich in die Pflicht nehmen, sondern den Sparvorschlag aus Arnsberg thematisieren.«
Theaterintendant Norbert Hilchenbach erklärte gestern, dass er in der gesamten Angelegenheit hinter Antony Hermus stehe. »Der Text der Ansprache wie die gesamte Aktion waren mit mir abgestimmt.« Sollte die Sparmaßnahme so umgesetzt werden, wie es auch dem Intendanten zu Ohren gekommen sei, müssten Theater und Orchester einfach reagieren. »Sonst werden Argumente und Verfahrensweise in Betracht gezogen, die organisatorisch einfach nicht gehen.«
Mit wesentlich weniger öffentlicher Aufmerksamkeit waren Hilchenbach, Hermus sowie der Orchestervorstand und der Personalrat bereits Anfang Februar aktiv geworden, als der »blaue Brief« aus Arnsberg ankam, der erstmals in Frage stellte, ob Hagen überhaupt noch einen GMD benötige. Die Theater- und Orchestermitglieder hatten in einem Schreiben an den Oberbürgermeister und Gerbersmann erörtert, dass ein erfolgreiches Arbeiten ohne GMD nicht möglich sei. »Der Brief war als Hilfestellung für die Politik gemeint«, so Hilchenbach, der betont, dass es jetzt dringend darauf ankomme, an den richtigen Stellen über die Hermus-Nachfolge und die Zukunft des Orchesters zu verhandeln. Die Zeit wird knapp.
Den Theaterspielplan für 2008/2009 hätte Hilchenbach schon im Januar vorstellen können. Weil er auf den GMD und dessen Konzertplan warten wollte, habe er dies noch nicht getan. Jetzt sieht es so aus, als müssten die Pläne getrennt vorgestellt werden, da der Konzertplan noch nicht einmal existiert.
Wie schon Hermus vor ihm, drängt auch Nobert Hilchenbach auf Planungssicherheit, weshalb er in der Nachfolgesuche zum GMD auf einen endgültigen Entscheid in der Ratssitzung am Donnerstag, 6. März, hofft.
Westfalenpost, 29. 02. 2008
GMD-Diskussion: Souveränität sieht anders aus
Wenn ein leitender Angestellter sich vor seine Mitarbeiter stellt, versucht deren Arbeitsplätze zu sichern, dann ist das per se eine positive Sache. Er beweist damit Führungsqualitäten.
Das gilt auch für den Generalmusikdirektor Antony Hermus. Ohne wenn und aber. Zumal, da Hermus das Orchester verlassen wird und sich nicht mit dessen Zukunft auseinsetzen müsste. Tut er aber dennoch – was ihn ehrt.
Dass Kulturdezernent Christoph Gerbersmann die Art und Weise – nämlich eine emotionale öffentliche Stellungnahme vor einem Sinfoniekonzert – missfällt, mag sein. Aber warum eigentlich? Nicht er oder die Stadtverwaltung, sondern die Bezirksregierung in Arnsberg war der Adressat der Vorwürfe. Klar, die Atmosphäre vor gemeinsamen Gesprächen in Arnsberg befördern solch massive Formulierungen sicher nicht. Aber die Klaviatur der politischen Diplomatie muss ein Generalmusikdirektor auch nicht zwangsläufig beherrschen.
Dass Gerbersmann ihn für seine Emotionalität rüffelt, mag noch hinnehmbar sein. Das muss und kann ein Generalmusikdirektor aushalten. Hermus aber offiziell den Schwarzen Peter zuzuschieben – er habe der Wiederbesetzung seines Postens mehr geschadet als genutzt – ist eine merkwürdige Verschiebung der Verantwortlichkeit. Wurde hier schon der ganze lange Ball für den Fall des politischen Misserfolges gespielt? Nicht weniger unsouverän und kleinkariert ist auch das Verhalten der Mitglieder des des Kulturausschusses, die mit acht zu vier Stimmen Hermus die Möglichkeit zur direkten Stellungnahme verweigerten. Denn eine Resolution, die exakt dessen Ziele in politisch korrekte Worte fasste, wurde hernach einstimmig verabschiedet. Führungsqualität – auch und gerade eines politischen Gremiums – sieht anders aus. Statt sich in politischen Schaukämpfen zu verzetteln, sollten die Damen und Herren Politiker mal darüber nachdenken, wie die Kuh gemeinsam vom Eis zu bekommen ist.
Westfälische Rundschau, 29. 02. 2008