Deeply ingrained in the city’s cultural life

 

Tief verwurzelt im Kulturleben der Stadt

Hunderte sangesfreudiger und einigermaßen sangeskundiger Bürger stehen auf der Bühne. Sie singen Carl Orffs »Carmina Burana« und lassen sich begeistern vom leidenschaftlichen Dirigenten Antony Hermus. Er hat alle Hagener eingeladen mitzusingen, egal, ob sie Noten lesen können oder nicht.

Hundert Jahre alt wird das Philharmonische Orchester Hagen, doch sein Gesicht ist jugendlich. Es ist offen für Grenzgänge zur Unterhaltung, aber auch für den experimentellen Bereich. Und es hat sich auch mit der Aufführungspraxis der alten Musik beschäftigt. »Flexibilität ist unser herausragendes Merkmal«, sagt Hermus. »Das meine ich nicht nur musikalisch, sondern auch von der Mentalität her. Die Gastdirigenten loben immer, wie genau die Musiker zuhören, wie gut sie Sänger begleiten können.«

Hagen ist alles andere als musikalische Provinz. Auch wenn das Orchester in den vergangenen Jahren von Einsparungen gebeutelt wurde. Einige Jahre lang war es mit der Südwestfälischen Philharmonie in Siegen-Hilchenbach zusammengelegt. Das funktionierte nicht und brachte die Kulturpolitiker zur Erkenntnis, dass nicht jede Fusion Einsparungen bringt, wenn die Musiker mehr Zeit auf der Autobahn verbringen als im Konzertsaal.

Mit 60 Musikern ist das Orchester nicht besonders groß, aber die meisten Stücke kann es dennoch aus eigener Kraft spielen. Zwei- bis dreimal im Jahr holt man ein paar Gastmusiker dazu und stemmt eine Sinfonie von Mahler oder Bruckner oder, wie im Jubiläumskonzert am Dienstag, die »Symphonie fantastique« von Hector Berlioz.

Antony Hermus wird sich nach dieser Spielzeit verabschieden. Der erst 34-jährige Holländer ist seit zehn Jahren in Hagen. Nun will er sich weiterentwickeln. Sein Weggang wird ein tiefer Einschnitt, denn einen großen Teil des Erfolges verdankt das Orchester dem temperamentvollen und bescheidenen Wesen des Dirigenten, den auch das Publikum richtig gern hat. »Ich werde die Leute sehr vermissen«, sagt Hermus. »Aber vorher will ich das Orchester noch mal richtig nach vorn bringen.«

Die Welt, Stefan Keim, 07. 10. 2007

 

 

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