GMD verlässt Volmestadt nach zehn Jahren
Antony Hermus wünscht sich für Hagen mehr Visionen
Dass Holland Europameister wird, steht für Antony Hermus außer Frage. Seinem eigenen Finale als Generalmusikdirektor sieht der Niederländer mit gemischten Gefühlen entgegen: Nach zehn Jahren beendet er seine Zeit auf dem musikalischen Feld in Hagen mit dem Sinfoniekonzert am Dienstag. Es wird kein leichtes Spiel, verrät Antony Hermus im WR–Interview.
Herr Hermus, erinnern Sie sich noch an Ihren ersten Tag in Hagen?
Hermus: Natürlich erinnere ich mich daran! Ich studierte noch an der Musikhochschule und sollte ein Praktikum am Theater machen. Ich war vorher noch nie in Hagen gewesem und kam mit der Bahn. Mensch, war ich froh, als ich den Weg zum Theater gefunden hatte.
Wie haben Sie Hagen als Stadt damals wahrgenommen?
Hermus: Positiv! Es war etwas völlig Neues für mich. Ich habe meine ersten beruflichen Erfahrungen in Hagen gemacht, wollte alles Entdecken. Nein, ehrlich, ob Hagen schön oder nicht schön ist, darüber habe ich mir gar keine Gedanken gemacht.
Und wie sehen Sie die Stadt jetzt, nach zehn Jahren als Hagener?
Hermus: Eine Stadt wird durch die Menschen ausgemacht, die darin leben. Ich habe hier viele Freunde gefunden, mit denen ich Musik gemacht habe und viel Spaß hatte. Und ein phantastisches Publikum! Es gibt so viel in Hagen zu entdecken. Ich habe am Kuhlerkamp gewohnt. War das anstrengend mit dem Fahrrad da hochzufahren! Aber das ganze Grün direkt in der Nähe, meine netten Nachbarn - Hagen ist mein Zuhause geworden.
Zwischen Ihrem ersten Tag als Praktikant und Ihrem letzten am Dienstag als GMD liegen zehn Jahre...
Hermus: Das ist eine lange Zeit! Ich kam 1998 als Praktikant, wurde Repetitor und im zweiten Jahr Studienleiter. Im dritten Jahr habe ich meine erste Produktion bekommen, im vierten wurde ich 1. Kapellmeister, im sechsten kommissarischer, im siebten schließlich GMD. 2007 musste ich mich mit dem Actori-Gutachten auseinandersetzen und in der letzten Spielzeit durfte ich das Jubiläumjahr des Orchesters miterleben. Das alles hat mich geprägt, es hat mich nach vorne gebracht - als Menschen und als Musiker. Hagen ist die Personifikation meiner Entwicklung. 90 Prozent von dem, was ich kann, habe ich hier gelernt. Das alles sitzt jetzt in meinem Rucksack für meinen weiteren Weg. Ja, aus dem kleinen Jüngelchen ist in Hagen ein gestandener Musiker geworden.
Hagen hat Sie geprägt, Sie haben aber auch Hagen geprägt - im besonderen das Philharmonische Orchester. Wie hat es sich unter Ihrer Leitung entwickelt?
Hermus: Als ich das Orchester 2003 übernommen habe, brauchte es eine neue Identität in der Stadt. Es kam gerade aus dem gescheiterten Verbund mit der Südwestfälischen Philharmonie, war immer auf Tour im ganzen Sauerland. In Hagen selbst war es aber gesichts- und farblos. Ich habe versucht, dem Orchester eine Farbe zu geben.
Und welche Farbe haben Sie für das Orchester gewählt?
Hermus: Eine offene. Ich wollte immer, dass sich die Bürger mit dem Orchester identifizieren können. Darauf habe ich auch die Programme ausgerichtet. Deshalb haben wir, gerade im letzten Jahr, zahlreiche ungewöhnliche und populäre Sachen mit ins Programm genommen. Wir werden von den Steuergeldern der Hagener bezahlt, also müssen wir den Menschen etwas dafür bieten und ein Orchester für die Bürger sein.
Bürgernähe haben Sie in den zahlreichen Scratch-Projekten bewiesen...
Hermus: Ja, die waren fantastisch! Beim ersten Scratch haben mich alle Leute für verrückt erklärt. Sie haben gesagt: Das funktioniert nie im Leben! Du kannst keinen zusammengewürfelten Haufen Sänger und Musiker an einem Tag so weit kriegen, dass er ein Konzert spielt – und dann auch noch Mozart. Aber es hat super geklappt und es waren so wundervolle Erlebnisse für mich und die Teilnehmer. Ich sage mal so: Man braucht Mut im Leben, um etwas zu bewegen.
Trotz aller positiver Erinnerungen kehren Sie der Stadt den Rücken. Warum?
Hermus: Die letzten fünf Jahre als GMD haben mich viel Kraft gekostet. Ich war immer parat. Wenn es etwas gab, konnte man mich nachts wecken. Das war gut, es hat Spaß gemacht. Aber irgendwann habe ich mich gefragt, ob das alles im Leben ist. Ich möchte die Zeit nachholen – beruflich und privat, und mich weiterentwickeln. Aber ich gehe schweren Herzens. Ich hinterlasse ein wunderbares Orchester und viele Freunde. Der Abschied am Dienstag wird hart.
Wie geht es für Sie weiter?
Hermus: Nach dem Konzert am Dienstag wird es eine Abschiedsparty geben. Dann fange ich an meine Koffer zu packen. Ich ziehe nach Amsterdam – und von da aus in die ganze Welt, wo ich als freier Dirigent Konzerte und Projekte betreuen werde. Im August dirigiere ich eine Neuproduktion des Nationalballetts in Taiwan. Bis Ende Januar stehen 15 Konzertproduktionen in Holland, Deutschland und Frankreich an und ab Februar drei Opern, unter anderem in der Opéra Bastille in Paris. So etwas wäre als fest angestellter Generalmusikdirektor nicht möglich.
Gibt es kein Zurück nach Hagen?
Hermus: Ich bin ein Typ, der klare Schnitte macht und sich nicht in die Arbeit anderer einmischt. Ich möchte den Weg frei machen für Florian Ludwig, an den ich das Orchester mit einem sehr guten Gefühl übergebe. Wir verstehen uns sehr gut und ich bin ja nicht aus der Welt.
Heißt das, dass wir Sie bald wieder sehen?
Hermus: Nicht in der kommenden Spielzeit, aber vielleicht danach als Gastdirigent. Darüber haben Florian Ludwig und ich schon gesprochen ...
Was für eine Stadt würden Sie dann bei Ihrem Besuch gerne antreffen?
Hermus: Eine Stadt mit Visionen. Hagen sehnt sich danach und ich würde mir wünschen, dass die Stadtväter diese entwickeln. Die Entwicklung einer Stadt ist nicht nur eine Rechenaufgabe.
Sondern?
Hermus: Es gibt zwei Denkweisen. Ich kann, »teufelkreismäßig«, sagen: »Das Theater und die Stadt sind in ein paar Jahren tot. Das Hagener Publikum besteht ist zu alt. Wir kriegen eh’ keine jungen Leute in Kulturveranstaltungen.« Ich kann aber auch so denken: »Wie sprechen wir junge Menschen an? Was müssen wir machen, um unsere Stadt lebenswerter und attraktiver zu machen?« Ich finde: Wenn Weg A nicht funktioniert, muss man immer nach einem Weg B suchen. Und das muss nicht immer viel Geld kosten. Aber eine Stadt braucht Visionen. Die müssen die Politiker entwickeln – und die Bürger mitnehmen und sie dafür begeistern. Sie müssen ihnen diese Visionen so schmackhaft machen, dass sie auch die Diät und die Einsparungen in Kauf nehmen – für eine Stadt, in der sie gerne leben.
Westfälische Rundschau, 20. 06. 2008
Hagens scheidender Generalmusikdirektor pendelt künftig zwischen Amsterdam und Paris
Hermus: »Ich bin nicht aus der Welt«
Antony Hermus stellt sich vor seinem Abschied den Fragen der Westfalenpost.
Sein letzter großer Auftritt in der Öffentlichkeit steht am Dienstag, 24. Juni, beim Sinfoniekonzert in der Stadthalle an: Nach zehn Jahren verlässt Hagens Generalmusikdirektor Dr. Antony Hermus das Philharmonische Orchester. Mit der WP sprach er über Zurückliegendes und sein zukünftiges Musikerleben aus dem Koffer.
Westfalenpost: Herr Hermus, ihre Zeit als Generalmusikdirektor in Hagen endet. Wie blicken Sie zurück?
Antony Hermus: Zehn Jahre – eine wirklich lange Zeit. Ich habe sie als Zeit des Lernens und des Entwickelns empfunden: Ich kam direkt von der Hochschule ans Theater, hatte kaum praktische Erfahrungen. Deshalb habe ich immer gesagt, dass das Theater meine erweiterte Universität ist: Alles, was man auf der Musikhochschule mitbekommt, ist theoretisch, jedes Stück kannst du nur im Kopf durchkonzipieren. Aber die Realität sieht anders aus. Dann steht man vorn und muss sich praktisch beweisen. Diese Möglichkeit ist mir in Hagen gegeben worden, wofür ich sehr dankbar bin. Zudem stand ich in jeder Spielzeit vor einer neuen Herausforderung: Ich kam als Praktikant, war Repetitor und Studienleiter, wurde 1. Kapellmeister, in meinem sechsten Jahr schlug mich das Orchester als kommissarischen GMD vor, im siebten wurde ich gewählt. Im achten durfte ich Opern wie Elektra und Falstaff machen, im neunten Jahr musste ich mich mit dem Actori-Gutachten auseinandersetzen, im zehnten durfte ich das Jubiläumsjahr des Orchesters miterleben: Das, was ich kann, habe ich zu 90 Prozent in Hagen gelernt.
Frage: Wie haben Sie als GMD das Orchester geprägt?
Hermus: Wenn man sich die Zeit von 2003 bis heute anschaut, hat sich die Offenheit des Orchesters enorm entwickelt. Als ich damals antrat, kam das Orchester gerade aus dem gescheiterten Verbund mit der Südwestfälischen Philharmonie. Es fehlte an Identität und eigenen Ideen. Ich habe versucht, dem Orchester ein Profil zu geben und es wieder mehr an das Theater Hagen anzubinden. Ich bin der Meinung, dass Theater und Orchester für die Menschen dieser Stadt da sein müssen, weil beide von den Steuergeldern der Hagener finanziert werden. Deshalb sind beispielsweise die Musiker in Schulen gegangen. Deshalb habe ich das Scratch-Projekt veranstaltet. Das Orchester hat all diese Dinge mitgetragen und seine Offenheit im Jubiläumsjahr noch stärker bewiesen. Die Bereitschaft aller Musiker, sich auf etwas Neues einzulassen, ist hoch bis sehr hoch. Hagen froh über diese Mannschaft sein. Das ist so und wird sicherlich so bleiben.
Frage: Sprechen Sie die Zukunft des Philharmonischen Orchesters unter Ihrem Nachfolger Florian Ludwig an?
Hermus: … an den ich das Orchester mit einem sehr guten Gefühl übergebe. Die Zusammenarbeit mit ihm war bisher sehr erfreulich, konstruktiv und hat großen Spaß gemacht. Wir sind in vielen Dingen gleicher Meinung. Florian Ludwig kann auf einer guten Basis aufbauen und vieles fortführen, mit eigenen, neuen Ideen und Akzente und auf seine Weise. Das ist richtig so.
Frage: Ihren Weggang zum Ende dieser Spielzeit haben Sie vor eineinhalb Jahren angekündigt. Als Gründe nannten Sie damals die ewige Spardiskussion um Theater und Orchester. Wie sehen Sie diese Entwicklung heute?
Hermus: Es muss gespart werden in Hagen, keine Frage. Das habe ich auch nie geleugnet. Aber die Politik muss bedenken, dass Stadtentwicklung nicht nur über das Sparen gelingt. Stadtentwicklung ist nicht nur eine Rechenaufgabe, sondern ein sehr sensibler Prozess, der sich auf Psyche und Motivation der Bevölkerung auswirkt: Aufregende und indentitätsstiftende Impulse sollten möglich bleiben. Hagen braucht Visionen.
Frage: Sie sprachen auch stets von persönlichen Gründen für Ihre Entscheidung. Welche waren dies?
Hermus: Die fünf Jahre als GMD waren sehr kräfteraubend. Ich musste sehr viel bewältigen: der normale Alltag eines GMD, die aufwändige Zusammenarbeit mit den Actori-Gutachtern, den Intendantenwechsel, die stete Diskussion um das Theater, es kam einiges zusammen. Zumal ich keinerlei Repertoire hatte: Alles, was ich dirigiert habe, machte ich zum ersten Mal. Irgendwann war ich an einem Punkt, an dem ich mich gefragt habe: Und jetzt, war das alles? Theater, Orchester, Stadt – ich war für alle da. Aber für mich? Wie gesagt: Ich bin sehr dankbar für die Zeit, die ich in Hagen erleben, und für die tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte, im Orchester, im Sängerensemble, hinter der Bühne des Theaters und in der Stadt. Aber es wurde Zeit, an mich und meine Entwicklung zu denken – als Künstler wie auch persönlich.
Frage: Wie geht es denn nach dem letzten Sinfoniekonzert am 24. Juni für Sie weiter?
Hermus: Ich habe schon lange den Traum, jeweils eine Zeit in den Großstädten Amsterdam, Paris und London zu leben. Ein Stück davon erfülle ich mir: Ich ziehe im Sommer nach Amsterdam. Allerdings werde ich dort in den nächsten Monaten nur selten sein, da ich viele Konzerte und Projekte betreuen werde: Beispielsweise dirigiere ich im August Vorstellungen des Nationalballettes in Taiwan. Ich werde bis Ende Januar 15 Konzertproduktionen in Deutschland, Holland und Frankreich leiten und ab Februar werde ich mich wieder ganz der Oper widmen. Ich mache drei Neuproduktionen in Holland und Frankreich, unter anderem an der Opéra Bastille in Paris. Ich habe also gut zu tun und werde viel unterwegs sein. Dann werde ich sehen, ob mir das Zigeunerleben liegt und ob es mir gefällt. Aber ich bin zuversichtlich. Als optimistischer Mensch glaube ich: alles wird gut.
Frage: Kam es für Sie in Frage, direkt Generalmusikdirektor eines anderen Orchesters zu werden?
Hermus: Nein. Es hätte mir für meine Entwicklung nichts gebracht, direkt wieder einen festen Vertrag zu unterschreiben. Ich brauche erst einmal Abstand und Freiräume. Das Leben bietet so viele Möglichkeiten, die ich nutzen möchte. Allerdings bin ich mir bewusst, dass das Leben aus dem Koffer nicht nur Vorteile hat: Ich werde viele enge Freunde in Hagen zurücklassen und häufiger allein sein. Aber: Ich bin nicht aus der Welt.
Westfalenpost, 18. 06. 2008
Ein schwerer Verlust für das Theater
Generalmusikdirektor Antony Hermus verlässt nach Abschluss der Jubiläumsspielzeit 2007/2008 Hagen. Dies erklärte er gestern bei einer eilig einberufenen Pressekonferenz.
Kulturdezernent Christoph Gerbersmann bedauerte die Entscheidung Hermus’. Bis Mittwoch hatte die Stadt versucht den 34-Jährigen zu halten. Der gebürtige Niederländer betonte, es hätte weder am Angebot noch an der Zusammenarbeit mit Orchester oder Intendanz noch an mangelnder Wertschätzung des Publikums gelegen – im Gegenteil. Nach zehn Jahren in Hagen, davon fünf als Generalmusikdirektor, sei es an der Zeit, sich zu verändern. Er habe für die Zukunft verschiedene Optionen, allerdings keine, die derzeit in die Öffentlichkeit gehörten.
Hermus, der Donnerstagabend das Orchester und gestern den neuen Intendanten Norbert Hilchenbach in dessen Heimatstadt Osnabrück persönlich informierte, verspricht seinem Publikum zum Jubiläum eine »Bombenspielzeit«. Auch für das von ihm eingeführte »Scratch-Projekt«, das im Mai stattfindet, haben sich 500 Erwachsene und 200 Kinder für den größten Chor Hagens angemeldet.
Hermus ging allerdings mit einem Teil der Politik hart ins Gericht. Wenn er sehe, dass Künstler am Theater, die 1800 Euro oder zum Teil noch weniger brutto verdienten, öffentlich als Luxus und Ziel neuer Streichungen angesehen würden, dann hätte dies in seinem Hinterkopf schon eine Rolle gespielt. »Wer sich anschaut, wie hart die Menschen arbeiten und proben, der kann nicht verantworten, wie über sie gesprochen wird«, so Hermus. Theater und Orchester nannte er »einen kulturellen Leuchtturm, der weit über die Region scheine«. Es in Zeiten des demografischen Wandels immer weiter zu beschneiden, sei falsch: »Von unserem Publikum weiß ich, dass es hinter uns steht. Das gilt auch für einen großen Teil der Politik.«
Hermus’ Nachfolger will Gerbersmann mit einer Findungskommission noch in diesem Sommer suchen.
Westfälische Rundschau, 20. 04. 2007
Antony Hermus verlässt Hagen
Dr. Antony Hermus, Generalmusikdirektor des Philharmonischen Orchesters Hagen, wird das Hagener Stadttheater verlassen. Gestern gab Hermus bekannt, dass er seinen zum Ende der Spielzeit 2007/2008 auslaufenden Vertrag nicht verlängern wird. Die Entscheidung sei ihm sehr schwer gefallen, sagte Hermus. »Ich habe mich immer vom Publikum, dem Theater und meinem Orchester getragen gefühlt«, sagte ein sichtlich emotional gerührter Hermus. Dennoch: Er sei an einem Punkt angelagt, an dem er einen neuen Lebensweg einschlagen wolle. »Ich bin seit zehn Jahren am Hagener Haus, seit vier Jahren bin ich GMD. Es wird Zeit für etwas Neues.« Was das sein wird, ließ er noch offen.
Vor allem aber begründete Hermus seinen Weggang mit den kulturpolitischen Entwicklungen in Hagen.
Da die Stadt dramatisch verschuldet ist, will sie jährlich 1,5 Millionen Euro an Zuschüssen für Theater und Orchester einsparen. Kreatives und erfolgreiches Arbeiten sei unter solch einem ständigen Spardruck nicht möglich.
Für diese Aussage bediente sich Hermus eines Vergleichs aus der Welt des Fußballs: »Als GMD bin ich wie ein Stürmer, der das Spiel gestaltet und Tore schießt.« In den vergangenen zwei Jahren habe er zunehmend die Funktion des Torwartes einnehmen müssen, der gegnerische Treffer abwehrt. »Dieses Hin und Her kostet unbeschreiblich viel Energie.«
Mit viel Engagement will Hermus dennoch seine verbleibenden 15 Monate in Hagen bestreiten - schließlich feiert das Orchester in der Spielzeit 2007/2008 sein 100-jähriges Bestehen.
Hagens Kulturdezernent Gerbersmann bedauerte gestern Hermus’ Entscheidung. »Er hat sich mit außergewöhnlichen Ideen und Projekten einen Namen erarbeitet. Antony Hermus ist ein Imageträger für unsere Stadt.«
Westfalenpost, 24. 04. 2007
Antony Hermus verlässt das Orchester
Der Kulturdezernent und der Generalmusikdirektor saßen am Mittwoch zum letzten Mal am Verhandlungstisch. Danach stand fest: Dr. Antony Hermus wird seinen Vertrag nicht verlängern. Mit Ende der Spielzeit 2007/2008 verlässt er das Philharmonische Orchester …
»Es war keine leichte Entscheidung«, sagte Hermus gestern mit zitternder Stimme. Die zehnjährige Arbeit im Hagener Orchester – vier davon als GMD – seien eine wunderschöne Zeit gewesen. Dennoch: Hermus sieht keine Perspektive mehr in Hagen.
Der stetige Spardruck, unter dem Theater und Orchester stünden, habe kaum Raum für kreatives Arbeiten gelassen, sagte Hermus. Außerdem kritisierte er die geringe Wertschätzung, die dem Theater und dem Orchester aus Teilen der Politik entgegengebracht werde. »Es ist extrem schwierig, Kollegen überhaupt zu motivieren weiterzumachen, wenn sie ständig hören, dass das Theater etwas ist, was in dieser Stadt nicht gewollt wird.«
Hermus betonte, dass seine Entscheidung, Hagen zu verlassen, in keinster Weise etwas mit dem neuen Intendanten Norbert Hilchenbach zu tun habe. Im Gegenteil: »Wir haben außerordentlich gut zusammengearbeitet und ein sehr gutes Programm für die nächste Spielzeit erarbeitet.«
Wie sehr Hermus den designierten Indentanten schätzt, zeigte auch, dass der GMD gestern nach Osnabrück gefahren war, um Hilchenbach persönlich von seinem Entschluss zu berichten. »Das ist keine Sache für das Telefon.«
Norbert Hilchenbach bedauerte gegenüber der WP außerordentlich, dass der junge Dirigent Hagen verlässt. »Wir kennen uns seit einem knappen Jahr, die Zusammenarbeit hat sehr viel Freude gemacht.« Er bedauere die Entscheidung sehr, respektiere sie aber. »Nach zehn Jahren an einem Haus ist es klar, dass ein Abschied kommt. Ich hätte es mir aber anders gewünscht.«
Auch Klaus Hacker, der Vorsitzende des Theaterfördervereins, reagierte »geschockt« über die Neuigkeit. »Hermus ist ein Glücksfall für unsere Stadt. Ich bedauere seinen Weggang außerordentlich.« Gleiches betonte gestern auch Christoph Gerbersmann – persönlich und für die Stadt. »Aber ich kann, werde und muss die Entscheidung respektieren.« Jetzt müsse alles daran gesetzt werden, zügig ein Neubesetzungsverfahren einzuleiten – möglichst noch vor der Sommerpause.
Westfalenpost, 20. 04. 2007