Internationale Herbsttage für Musik
Antony Hermus leitet Musikschulorchester
»Da müssen wir abwarten, wie Ralph das spielen möchte.« Dieser Satz fiel bei der Probe des Musikschulorchesters des öfteren. Gemeint ist Ralph Manno, Stargast der Herbsttage für Musik. Und nach dem müssen sich die Musikschüler richten, wenn sie ihn beim Abschlusskonzert begleiten dürfen.
Auf dem Programm steht Astor Piazzollas »Ballada para un loco«, dass das Musikschulorchester unter der Leitung von Paul Breidenstein schon mehrfach aufgeführt hat. Wobei stets der 19-jährige Mario Neumann den Solo-Part auf der Klarinette übernahm – so auch am Montag bei der Probe, wo er den Virtuosen Manno bestens ersetzte.
Allerdings stand weder Mario Neumann noch Paul Breidenstein im Mittelpunkt des Geschehens. Stattdessen zog Antony Hermus, der sich Zeit für eine Orchesterprobe mit den Iserlohner Schülern nahm, einmal mehr alle Aufmerksamkeit auf sich.
Hermus bei der Arbeit zuzusehen ist immer wieder ein Genuss. Wie er dem Orchester und dem Musikstück innerhalb weniger Minuten bei dieser ersten gemeinsamen Probe seinen Stempel aufdrückt, ist phänomenal. Hier ein paar Mal mit dem Kopf geschüttelt, ein aufmunternder Blick dort und einige grundsätzliche Wort dazu, dass man keinen Ton einfach so daherspielt, sondern dass im Grunde der nächste Ton immer der wichtigste des ganzen Lebens ist – und schon hat er wie bei einer Kamera alles ein wenig schärfer gestellt und dem Werk die gewünschte Struktur gegeben.
Dass Antony Hermus weiterhin bei den Internationalen Herbsttagen für Musik teilnimmt und beim großen Abschlusskonzert nicht nur die Bochumer Symphoniker, sondern auch das Musikschulorchester dirigiert, ist ein enormer Gewinn. Wie bereits berichtet, hatte er im Juni seinen Posten als Generalmusikdirektor der Stadt Hagen niedergelegt. Seitdem reist der junge Maestro von seiner Wahlheimat Amsterdam aus umher, um sich als freischaffender Dirigent Sporen zu verdienen und um zu sehen, wie in den Konzerthäusern und Opernhäusern dieser Welt gearbeitet wird. Natürlich ist er schon für die komplette Saison ausgebucht. Am Montag, als er für die Probe mit den Musikschülern in Iserlohn eintraf, kam er gerade aus Bochum, wo für die Herbsttage einen ersten Kontakt mit den dortigen Symphonikern hatte. Davor konzertierte er in Duisburg, vorher beschäftigte ihn ein Konzert-Engagement mit den Taipeh-Symphonikern in Taiwan. Der genaue Plan seiner Stationen ist auf seiner neuen Homepage www.antonyhermus.com einzusehen.
Pläne, erneut eine feste Stelle zu übernehmen, hat er derzeit im Übrigen noch nicht. »Fest binden kann man sich immer noch«, sagt er und fügt hinzu, dass er »inzwischen auch sehr wählerisch geworden ist«. Umso erfreulicher, dass das Iserlohner Publikum dieses Energiebündel, das jeden sofort mit seiner Begeisterung für die Musik ansteckt, bei den Herbsttagen in Aktion erleben darf. Am Sonntag, 21. September, wird er um 11 Uhr auf der Bühne des Parktheaters stehen. Zusammen mit den Bochumer Symphonikern wird er Teile aus Smetanas »Mein Vaterland« zu Gehör bringen und Ralph Manno bei Mozarts Klarinettenkonzert und Debussys 1. Rhapsodie für Klarinette und Orchester begleiten. Wer Ralph Manno musikalisch näher kennen lernen möchte, sollte auf keinen Fall das Auftaktkonzert »Tanz zwischen den Welten« am Dienstag, 16. September, verpassen. Um 20 Uhr wird er im Parktheater in kleiner Trio-Besetzung Musik aus dem 20. Jahrhundert spielen.
Iserlohn, Ralf Tiemann, 11. 09. 2008